Mehr Pünktlichkeit mit PlanStart
@ Deutsche Bahn AG (Axel Hartmann)

PlanStart-App

Der Smartphone-Schalter für mehr Pünktlichkeit

11/2016 - PlanStart sorgt dafür, dass Fernzüge pünktlich auf die Minute von ihren Ausgangsbahnhöfen losfahren. Unterstützt wird das Team dabei von einer kleinen App.

Egal wie gut geplant wird: Manchmal sind Zug-Verspätungen kaum zu vermeiden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Witterungsbedingungen gehören dazu, Bauarbeiten oder Störungen auf der Trasse oder am Fahrzeug. Manchmal liegt es auch daran, dass ein Zug später startet als geplant, weil beispielsweise ein Gleis kurzzeitig blockiert ist.

Die ein oder zwei Minuten Verspätung bei der Abfahrt mögen sich nicht nach viel anhören. Doch der Fahrplan ist eng getaktet, oft ist es nicht möglich, die verlorene Zeit einzuholen. Und so können schon wenige Minuten zum Start dafür sorgen, dass ein Gleis für einen späteren Zug länger blockiert wird und sich die Effekte fortpflanzen.

Das Programm PlanStart der Deutschen Bahn AG ist an den zehn wichtigsten Knotenpunkten des Streckennetzes solchen Abfahrtsverspätungen auf der Spur. Unterstützt wird die Arbeit der Mitarbeiter von einer App für Tablet und Smartphone.

Messpunkte erfassen jeden Abschnitt bei Bereitstellung des Zuges

Derzeit werden mit PlanStart etwa 400 Zugbewegungen pro Tag überwacht. Wie diese Ortung funktioniert, wird am besten dadurch sichtbar, wenn man einen Zug von seiner Bereitstellung im Werk bis zum Bahnhof begleitet. Auf dem Weg passiert der Zug mehrere Messpunkte, deren Passage an das zentrale System übertragen wird. Hier wird in Echtzeit die Soll- mit der Ist-Zeit überprüft.

Deutschlandweit sind 72 Knotenkoordinatoren an 20 Bahnhöfen im Einsatz.

© Deutsche Bahn AG

Der erste Messpunkt ist direkt am Ort der Abstellung oder im Werk und muss manuell aktiviert werden. Hierfür hat DB Systel eine Android-App entwickelt, die per Smartphone oder Tablet bedient wird. Und das auf denkbar einfache Art: Der Bereitsteller drückt einen Button, wenn der Zug abfahrtbereit ist – und kann zusätzlich den Grund eintragen, falls der Zug sich verspäten sollte. Er setzt damit also einen digitalen Zeitstempel und gibt mögliche Verspätungsursachen, was dann in eine Datenbank übertragen wird um Auswertungen zu ermöglichen.

Sobald der Zug zur Rangierfahrt startet, kommt das GPS-Signal für eine genaue Lokalisierung ins Spiel. Dieses wird alle 10 bis 30 Sekunden aktualisiert, bei der Ankunft am Bahnsteig wird außerdem per GPS erkannt, wann der entsprechende Messpunkt passiert wurde. Wenige Minuten vor der Abfahrt macht der Zugführer wieder per App eine manuelle Fertig-Meldung. Das gibt dem PlanStart Team die nötigen Basisdaten zur Analyse von Verspätungsursachen.

Zusammenspiel von GPS und manueller Eingabe

Planstart App
Die App ermöglicht es, ganz einfach den Zeitstempel und einen eventuellen Verzögerungsgrund zu erfassen.
© Deutsche Bahn AG (designhaus berlin)

Die reinen Daten der Zeitstempel, die durch die Erfassung mit der App entstehen, sind zwar nicht sehr umfangreich. Doch bei rund 400 täglich erfassten Zügen ermöglicht die Masse dieser vielen kleinen Datensätze im Zusammenspiel mit den weiteren vorhandenen Daten aus anderen Erfassungsmechanismen so genannte „Big Data“-Auswertungen. Dabei steht die Vielzahl an Informationen vor der eigentlichen Größe einzelner Daten.

Einfache App, große Wirkung

Der App-Entwicklung ging eine Frage voraus: Wie können wir Daten besser erfassen? Da jeder Bereitsteller und Lokführer ein Tablet und jeder Zugführer ein Smartphone dabei hat, bot sich eine App-Lösung an. Innerhalb von vier Wochen wurde bei DB Systel in Abstimmung mit den Anwendern der Prototyp entwickelt, zwei Wochen später war die App einsatzbereit.

Eigentlich ist die App lediglich ein virtueller Button, der ein Signal per Mobilfunknetz an einen Server überträgt und darüber hinaus Gründe für eine mögliche Verspätung erfasst. Gerade in Verbindung mit den weiteren erfassten Daten wird die Pünktlichkeitsprognose noch genauer. Für PlanStart ist es eine praktische Ergänzung für das Ziel, den gesamten Prozess von der Bereitstellung bis zum Abfahrtssignal an den zehn verkehrsstärksten Startbahnhöfen des Fernverkehrs zu optimieren.

Messpunkte
In der App können für jeden Messpunkt der Zeitstempel sowie mögliche Verspätungsursachen erfasst werden.
@ Deutsche Bahn AG

Die PlanStart-App funktioniert trotz der kurzen Entwicklung gut. Seit dem Projektstart wurden bereits spürbare Verbesserungen für die Reisenden erreicht. Und die Ergebnisse helfen dabei, das PlanStart-System weiter zu optimieren. Doch die App ist nur ein Zwischenschritt, bis ein automatisiertes Verfahren selbstständig die Datenströme effizient kombiniert. An so einer Datenanalyse wird hinter den Kulissen weiter gearbeitet. Und wer weiß: Vielleicht helfen die mit der App gemachten Erfahrungen dabei, eines Tages tatsächlich alle Messpunkte automatisch zu erfassen. Doch das ist Zukunftsmusik. Bis dahin zeigt eine einfache App eindrucksvoll, wie gut hochentwickelte Technologie mit menschlichem Faktor funktioniert.