Bei Hackathon 2016 gab es nur Sieger
© Deutsche Bahn AG (Gregor Fischer)

Mitarbeiter Hackathon 2016

Die Nacht der Ideen

11/2016 - Zwei Standorte, 160 Teilnehmer und 20 entwickelte Prototypen in 24 Stunden: Der erste DB-interne Hackathon unter dem Motto „Digitalisierung zum Mitmachen“ war ein voller Erfolg.

Es ist bereits Nachmittag, als sich einige Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG am Freitag auf den Weg zu einer ganz besonderen Nachtschicht machen. Sie versammeln sich in Berlin in der mindbox und in Frankfurt am Main im Skydeck, um Großes zu schaffen. Der Anlass: Die Deutsche Bahn AG hat zum ersten internen Hackathon eingeladen. Zwar haben schon häufig Teams der Deutschen Bahn bei öffentlichen Programmierwettbewerben teilgenommen, doch es ist das erste Mal, dass der Konzern selbst so einen Event nur für Mitarbeiter veranstaltet.

„Wir hatten zuerst etwas Sorge, dass wir für zwei Standorte nicht genügend Datenbegeisterte zusammen bekommen, die Lust haben, in ihrer Freizeit mehr aus den Bahndaten herauszuholen. Es gab ja auch noch keine namentlich bekannte Community, die wir gezielt ansprechen konnten“ sagt Axel Sommer von DB mindbox. Er ist einer der Organisatoren des Programmierwettbewerbs. Mit den mehr als 160 Teilnehmern hat bei der Gemeinschaftsaktion von mindbox, Skydeck und DB OpenData niemand gerechnet.

Zuerst war vielen Mitarbeitern gar nicht klar, dass man nicht unbedingt Programmierkenntnisse benötigt, um teilzunehmen.

© Deutsche Bahn AG

Wir waren erstaunt, dass viele Interessierte uns gefragt haben, ob Sie auch mit Ihren Kenntnissen über Excel, Pivot & Co. mitmachen können. Für uns war das selbstverständlich gewesen, denn kreative Ideen können mit allen Mitteln umgesetzt werden. Und darum ging es ja.

Axel Sommer, DB mindbox

Werbung in eigener Sache

So waren die Wochen vor der Veranstaltung vor allem dadurch geprägt, für den Hackathon zu werben und viel zu erklären. Doch nicht nur bei potenziellen Teilnehmern. „Wir wollten für den Event natürlich unbedingt Zugriff auf möglichst viele Daten aus den Abteilungen und Geschäftsbereichen haben. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass nur Mitarbeiter teilnehmen durften. Und es ist fantastisch, was für ein positives Feedback wir bekommen haben. Ohne die Begeisterung und Unterstützung durch die Datenspender wären keine spannenden Daten zusammengekommen“, freut sich Axel Sommer noch immer über den Erfolg zum Start.

Dabei standen die Veranstalter vor einer großen Herausforderung, da der Hackathon gleichzeitig in Frankfurt am Main und Berlin stattfand. „Wir mussten dafür erst einmal eine Infrastruktur schaffen.“ So wurden Kameras und Projektoren installiert, damit die Teilnehmer per Videokonferenz permanent miteinander sprechen konnten. Das funktionierte so gut, dass sich sogar Teams über beide Standorte hinweg gebildet haben.

Thematisch gab es keine Vorgaben. „Wir wollten keine Grenzen ziehen. Die Projekte sollten sich lediglich darum drehen, was man mit Daten anstellen kann.“ Eine Devise, die auch im Skydeck erfolgreich gelebt wird.

Der Zufall spielt mit

Für das Team um Martin Kemper von DB Systel hieß das: „Wie können wir mittels des Internets der Dinge neue Daten gewinnen und Abläufe sehr viel effizienter gestalten?“ Es hatte dafür eine sehr praktische Idee – bei der ihnen auch ein wenig der Zufall in die Hände spielte. Nur ein paar Tage vor dem Hackathon hatte Amazon in den USA das technische Gadget „Dash Button“ veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen kleinen Schalter, der per WLAN mit dem Internet verbunden wird und auf Knopfdruck automatisch ein vordefiniertes Produkt bei Amazon bestellt. Eigentlich kauft man also einen Button für sein Lieblingswaschmittel, einen weiteren für Katzenstreu. Aber wie IT-Profis manchmal so sind, stellen sie sich schnell die Frage: „Was kann man sonst damit machen“?

„Die hohe Zahl an tollen Ergebnissen ist der eigentliche Erfolg des Hackathons“, sagt der Organisator und ergänzt: „Wir waren überrascht über die vielfältigen Ideen und was man in 24 Stunden erreichen kann.“ Auch die Teilnehmer sind begeistert, vom Teamspirit, aber auch von der großen Kollegialität unter allen Mitstreitern. Sie hatten Spaß daran, neue Leute kennenzulernen, die ähnlich ticken.

So sieht es auch Axel Sommer: „Unser Wunsch war, dass sich Gleichgesinnte über die Abteilungsgrenzen hinweg kennenlernen können und Silos aufgebrochen werden. Das ist bei einem Konzern im Arbeitsalltag sonst kaum möglich.“ So soll der Hackathon nicht nur zeigen, wie viel Ideenpotential in den Mitarbeitern steckt, es sollen auch Bande geknüpft werden, die sicher im Berufsalltag von Vorteil sind. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit entsteht eine kreative Kraft, die wunderbar die agile Arbeitswelt repräsentiert. Dies hat sich bereits im Vorfeld in der sehr guten und effektiven Zusammenarbeit zwischen den Organisatoren gezeigt.

Es ist daher auch kein Wunder, dass Martin Kemper und sein Team schon längst weitere Ideen haben, wie sich „IoT Smart Booking“ weiterentwickeln könnte. „Wir überlegen aktuell im Team, inwieweit sich diese Lösung auch für das Buchen von flexiblen Arbeitsplätzen erweitern lässt. Die Ressource Büroarbeitsplatz könnte so viel effizienter genutzt werden, und agile Teams könnten räumlich schneller zusammenfinden.“ Man muss sich also keine Sorgen machen, dass es beim nächsten Hackathon an tollen Ideen mangelt.

Übersicht der Siegerprojekte des Hackathons für DB Mitarbeiter

Die acht besten der während des DB Mitarbeiter Hackathons entstandenen Projekte wurden von DB-Chef Rüdiger Grube ausgezeichnet:

„Smart Booking“:  Funk-Sensoren übermitteln live Belegungsmeldungen z.B. von Meetingräumen zur Auslastungsoptimierung. Die Technik kann auch in Bahnhöfen, Zügen und Flinkster-Autos zum Einsatz kommen.

 „Fahrtenbuch-App Bahncard 100“: Geschäftliche Vielfahrer bei der DB mit Bahncard-100 können mit Hilfe einer mobilen App ein „Fahrtenbuch“ führen und zurückgelegte Fahrten für steuerliche Zwecke dokumentieren.

„ICE Shadow Racer“: Eine Web-App visualisiert in einer animierten Darstellung Plan- und Ist-Positionen von Zügen und hebt Differenzen farblich hervor. So werden Problemstellen in realen Zugläufen identifiziert und verspätungsgefährdete Streckenabschnitte ermittelt.

„Rapid Response IOS“: In die Apple-iMessage-App soll für Chats eine automatische Verbindungssuche inklusive Kostendarstellung und Buchung von Fahrzeugen oder Tickets integriert werden. Dafür wird eine Schnittstelle mit  DB Navigator, Flinkster, Call-A-Bike-App und Qixxit geschaffen.

„Favomat“: Der Ticketautomat zeigt dem Kunden vorkonfigurierte Reiseverbindungen für häufig gekaufte Fahrtziele pro Automat und Tageszeit als dynamisch erzeugte Favoriten an.  Dabei werden regionale Besonderheiten, Fahrplan und Wochentag berücksichtigt. So wird die Wartezeit reduziert und die Akzeptanz des Automaten-Verkaufs gesteigert.

„Master Data-Stammdaten“: Stammdaten werden durch kontextbezogene Verknüpfungen optimiert und grafisch dargestellt. Das Stammdaten-Management wird durch Echtzeit-Aktualisierungen und ein Trust-Level-System verbessert.

„Data Screener“: Neue Webanwendung auf Grundlage von Open-Source Software für die Erstanalyse großer Datenmengen. Daten werden bereinigt, statistisch aufgeschlossen und visualisiert.

„Helpdesk Chat-Bot“: Das textbasierte Dialogsystem mit Avatar hilft BKU-Endnutzern in Selbstbedienung bei den am häufigsten auftretenden Störungsanfragen.