Im DVS-Labor werden Ideen entwickelt und das Zusammenspiel von Datensammlung und -übertragung demonstriert.
© Dr. Werner Clas

Gemeinsame Basis, individuelle Lösungen

Digital Vehicle Solutions: eine Lösungsplattform für die Zug-IT

11/2015 - Werkelt jeder vor sich hin, wird die Zusammenarbeit schwierig. Digital Vehicle Solutions bringt alle Daten auf dieselbe Basis.

Zusammenarbeit ist eines der erfolgreichsten Konzepte überhaupt. Sie ermöglicht es, Ziele zu erreichen, die alleine unschaffbar sind. Die Grundlage für eine gelungene Zusammenarbeit ist heutzutage Information. Erst wenn jeder das nötige Wissen hat, kann man sich gegenseitig wirklich unterstützen. Um das Wissen zu bündeln, muss man ständig Erkenntnisse austauschen und die entwickelten Lösungen aneinander anpassen. Oder man arbeitet von Anfang an zusammen – und entwickelt auf einer gemeinsamen Basis auf die individuellen Bedürfnisse hin. Genau auf diesem Prinzip beruht die Lösungsplattform DB Digital Vehicle Solutions (DVS).

Im Sinne eines Joint Ventures haben vier Bahnunternehmen ihre Expertise bei der Entwicklung einer gemeinsamen Produktplattform für die Zug-IT gebündelt. Gemeinsam haben DB Systel, DB Systemtechnik, DB Kommunikationstechnik und DB Fahrzeuginstandhaltung eine Lösung erarbeitet, mit deren Hilfe sich Aussagen über den Zustand der Komponenten eines Zuges treffen lassen.

Kleine Kiste, große Wirkung

Die DVS-Box ist das Herzstück der Plattform.
Die DVS-Box ist das Herzstück der Plattform.
© Carolin Kallenbach

Der Kern dieser Lösung ist eine kleine Kiste. Die hört auf den schlichten Namen DVS-Box und wird in Loks, Triebzügen und Wagen verbaut. Dort bietet sie unabhängig von der Bauart stets dieselben Standarddienste an. So sammelt sie Daten über den Zustand des Zuges sowie seiner Teile. Weisen die Sensoren des Motors auf mögliche Probleme hin? Funktioniert die Klimaanlage ordnungsgemäß? Diese Daten verarbeitet sie bedarfsweise bereits auf dem Fahrzeug und lädt sie auf Wunsch in die Cloud. Natürlich ist das nicht alles. Denn die DVS-Box erlaubt es als offene Plattform, über eine Vielzahl von Entwicklerschnittstellen (APIs) individuelle und attraktive Fahrzeug-Applikationen bereitzustellen. Die können vom Kunden selbst oder auch von Drittanbietern stammen – oder von der DB Systel für jeden Kunden individuell entwickelt werden.

Das dient vor allem zwei Einsatzzwecken: Zum einen soll dieser Ansatz in Zukunft eine sehr effektive Optimierung des Betriebs und der Instandhaltung der Fahrzeugflotte erlauben. So sollte sich durch die große Menge an gesammelten Fahrzeugdaten in Verbindung mit Zusatzinformationen über die Strecke, die Witterungsverhältnisse und Ähnliches gut vorhersagen lassen, wann ein Fahrzeugteil eventuell ausfallen könnte – lange bevor ein Schaden auftritt. Braucht eine Tür beispielsweise eine Millisekunde länger um zu schließen, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass sie bald kaputt geht. Die Teile können effektiver ausgetauscht werden, die Fahrzeuge sind länger im Einsatz, die Ausfälle sinken. Um diese Vorteile bald nutzen zu können, befindet sich DVS aktuell im Pilotbetrieb und beginnt mit der Sammlung der Daten im Zug. Deren Analyse ist die Voraussetzung, um später im Sinne einer vorausschauenden Instandhaltung agieren zu können. Des Weiteren soll durch direkte Handlungsempfehlungen eine Optimierung des Energieverbrauchs erreicht werden.

Auf Dashboards werden die übertragenen Daten visualisiert, hier das Beispiel der Sitzplatzbelegung.
Auf Dashboards werden die übertragenen Daten visualisiert, hier das Beispiel der Sitzplatzbelegung.
© Dr. Werner Clas

In Zukunft könnten die Reisenden auch direkt von den gewonnenen Daten profitieren, denn theoretisch lässt sich mit DVS auch eine effektivere Fahrgastlenkung erreichen. So könnte sowohl das Gedränge beim Ein- und Aussteigen verringert als auch eine lange Suche nach einem freien Sitzplatz verkürzt werden. Dazu melden die Sitze selbstständig, wenn sie besetzt sind. Die Fahrgäste könnten sich dann mit einer App eigenhändig informieren, wo noch Plätze frei sind – und gleich am entsprechenden Wagen einsteigen. An diesen und weiteren Ideen wird im DVS-Team täglich geforscht, denn die Möglichkeiten, die das System in Zukunft bietet, sind vielfältig.