Digitalisierung hilft im Kampf gegen unbenutzbare Toiletten
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App „THOR“

Digitalisierung hilft im Kampf gegen unbenutzbare Toiletten

03/2016 - Bei der Versorgung der Züge muss es schnell gehen. Um den Zustand von WCs in den Zügen besser zu überblicken, hilft jetzt eine App: Dank „THOR“ werden Zugtoiletten bedarfsgerechter ver- und entsorgt. Das erleichtert es allen Beteiligten.

Eine unbenutzbare Zugtoilette ist für alle ein Ärgernis. Vor allem natürlich für den Reisenden, der zum nächsten funktionierenden WC durch den Waggon gehen muss. Außerdem für den Zugbegleiter im Personenverkehr, der auf die Beschwerden der Kunden eingehen soll. Im Extremfall, wenn beispielsweise die Behinderten-WCs oder die Hälfte der Zugtoiletten nicht nutzbar sind, müssen ganze Züge aus dem Verkehr gezogen werden, was zu erheblichen Auswirkungen führt. Bei der bedarfsorientierten Versorgung hilft jetzt eine App – „THOR“.

In den Werken wurde die Versorgung der Toiletten früher plangesteuert beauftragt und durchgeführt. Einen genauen Überblick über den aktuellen Status der Züge gab es nicht. Da kam es hin und wieder vor, dass Züge, die bereits frisch versorgt waren, noch einmal auf dem Versorgungsgleis landeten – während andere Züge mit Versorgungsbedarf dann nicht mehr bearbeitet werden konnten. Das kostete Zeit und Geld.

Hier kommt die App „THOR“ ins Spiel. „THOR“ steht für „Toiletten-Ent- und Versorgung per Handy online rückmelden“ und hat damit nur im übertragenen Sinn etwas mit dem germanischen Donnergott mit dem Hammer zu tun. Servicekräfte von DB Services nehmen für jede Zugtoilette und das Bordbistro den aktuellen Status einfach per „THOR“-App auf und können die Informationen dadurch schnell weiterleiten. Aus diesen Meldungen erhalten die Bereitstellungsleitung sowie das Fahrzeugmanagement von DB Fernverkehr eine aktuelle und standortübergreifende Übersicht. Dies ermöglicht erstmals eine bedarfsorientierte Steuerung der Ver- und Entsorgung von WCs in den Zügen.

App mit nutzerzentrierter Funktionalität und Gestaltung

Die Anwender der App „THOR“ sind die Mitarbeiter von DB Services, die Tanks von Zugtoiletten und Bordbistros ver- und entsorgen. Voraussetzung ist, dass die Züge mit scanbaren NFC-Chips versehen wurden (NFC = Near Field Communication, die eine kontaktlose Datenübertragung per Funk auf kurze Entfernung erlaubt). Diese Ausrüstung ist inzwischen für die ICEs nahezu komplett erfolgt.

Arbeitsschritte in der App THOR
Arbeitsschritte in der App THOR
© DB Systel GmbH

Wenn der Zug auf dem Versorgungsgleis steht, erfassen die Servicekräfte mit einem herkömmlichen Android-Smartphone per Scan die Aufkleber der einzelnen Tankstutzen, die bearbeitet werden. Dabei werden automatisch Fahrzeuginformationen wie Baureihe, Wagennummer und Position der Versorgungsklappen erfasst. Neben Ver- und Entsorgungsvorgängen können auch schon Störungen wie vereiste oder defekte Stutzen oder kaputte Klappen direkt ins System aufgenommen werden.

Die Entwickler bei DB Systel haben zusammen mit dem Kunden DB Fernverkehr die Gestaltung der App auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten. Bei DB Services werden Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Hintergründen beschäftigt. Die grafischen Elemente der App sowie die Bedienabläufe sind daher bewusst einfach gehalten. Die Erfahrung mit Apps im privaten Umfeld erleichtert für die Anwender die berufliche Nutzung (s. Beispiel „Apps für DB Station&Service“). Die Erfassung mit der App konnte nahtlos in die Arbeitsabläufe der Servicekräfte integriert werden.

Technik verschafft Überblick

Die Daten aus der App werden in Echtzeit an das zentrale THOR-System übergeben und dort anhand der betrieblichen Geschäftsregeln von DB Fernverkehr ausgewertet. In einer Webanwendung kann dann für jeden Zug der aktuelle Zustand nachvollzogen werden. „Die Bereitstellungsleitung bekommt dezidierte Informationen über den Ver- und Entsorgungsstatus einer Zuggruppe“, sagt Johannes Kremer, der bei DB Systel für die technische Entwicklung zuständig ist. „Sie verfolgt die Bearbeitung der Tanks und weiß jederzeit über die aktuelle Situation Bescheid.“

Funktionieren Ver- und Entsorgung reibungslos, kann der Zug schnell wieder eingesetzt werden. Kommt es zu Komplikationen, werden die Probleme im System vermerkt. Anhand dieser Informationen können weitere Maßnahmen ergriffen werden. Erreicht ein behandelter Zug im nachfolgenden Einsatz bestimmte Betriebszeiten, so zeigt ein automatisiertes Ampelsystem an, dass wieder eine Ver- und Entsorgung ansteht.

Optimierte Kommunikation und starke Effizienzsteigerung

„Was früher auf Zuruf funktionierte, erfahren die Mitarbeiter jetzt digital. Dadurch werden Missverständnisse vermieden und die Kommunikation wird beschleunigt“, sagt Kundenprojektleiter Marc Schmitz. „Die einfachen, selbsterklärenden Schritte im Werk helfen bei einer schnellen Abfertigung. Und der zentrale Überblick für DB Fernverkehr erleichtert die Planung für die Bereitstellung der Züge und steigert die Effizienz der Ver- und Entsorgungsvorgänge.“

Standardisierte Prozesse und transparente und aktuelle Informationen helfen so DB Fernverkehr bei der bedarfsorientierten Ver- und Entsorgung der Züge. Damit sorgt die kleine, maßgeschneiderte App „THOR“ letztlich dafür, dass der Reisende nicht vor verschlossenen Toilettentüren stehen gelassen wird. Dies wirkt direkt auf die Kundenzufriedenheit bei den Reisenden und unterstützt so die Qualitätsoffensive im Konzernprogramm „Zukunft Bahn“.