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Cloud-Lösungen in der Praxis

Erfolgsfaktor Cloud

06/2016 - Probieren geht über Studieren. Manchmal macht es aber durchaus Sinn, sich Entwicklungen genauer anzuschauen, bevor man selbst Teil davon wird. Anhand von zwei Beispielen innerhalb der DB-Welt, die bereits erfolgreich mit der Cloud-Lösung des Konzerns arbeiten, wird deutlich, für wen die DB Enterprise Cloud künftig auch interessant sein könnte.

140.000 Seitenaufrufe am Tag. In den Büros des DB-Konzerns nutzt es fast jeder, wenn er mit Kollegen in Kontakt treten will. Die Rede ist von EVI, einer der am meisten genutzten IT-Anwendungen der DB-Familie. EVI als digitales Telefonbuch mit vielen Funktionen ist eine der Säulen der internen Information und beinhaltet umfangreiche personenbezogene Daten. Seit Kurzem ist EVI außerdem das Pilotprojekt für den Einsatz der DB Enterprise Cloud im Bahn-Konzern. Eine Umstellung, die an den meisten Nutzern vorbeigegangen sein wird – denn für sie hat sich nichts geändert. Die Revolution fand hinter den Kulissen statt. Lediglich ein kleines Logo am Bildschirmrand zeugt von der Cloud-Nutzung.

Anforderungen analysiert und IT-Architektur optimiert

Vor der Cloud-Migration erfolgte erst eine detaillierte Untersuchung der Anforderungen und der bisherigen Architektur der Anwendung EVI im Rahmen des sogenannten Onboarding-Prozesses. Dr. Stephan Pflume vom CIO-Bereich des Konzerns hat dies kundenseitig verantwortet, und Dr. Axel Löhn von DB Systel hat das Projekt geplant und umgesetzt. Grundvoraussetzung war hier, dass die DB Enterprise Cloud sicherheitstechnisch problemlos für die Bearbeitung personenbezogener Daten geeignet ist. Entscheidend war weiter, für die im Tages- und Wochenverlauf sehr unterschiedliche Nutzungsintensität von EVI eine entsprechend flexible IT-Architektur zu ermitteln, die die Last bedarfsgerecht auffängt.

Flexibler Servereinsatz je nach Auslastung

Die Cloud hilft nun, diese Auslastungsschwankungen auf mehrere Schultern zu verteilen. Wurden bislang zwei große Server für EVI betrieben, nutzt man in der Cloud nun drei mittelgroße Server. Das hat den Vorteil, dass zum Wochenende und am Abend – wenn weniger Nutzer auf EVI zugreifen – Server einzeln abgeschaltet werden können.

Dr. Stefan Pflume (DB AG)
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Mit dem neuen Cloud-Modell verursachen diese in der Zeit keine Kosten. Noch deutlicher werden die Vorteile beim Abnahmesystem der EVI. Dieses wird nur noch auf Bedarf hochgefahren. Die Bereitstellung der anderen Systeme erfolgt zeitgesteuert und vollautomatisch.

Zu den Hintergründen sagt Stephan Pflume: „Indem wir in einer Stunde ganze Server kostenwirksam auf- und abbauen, war klar: Wir sparen Kosten. Zudem eröffnen sich mit der schnellen Serverbereitstellung und -abbestellung ganz neue Chancen.“

Neue Geschwindigkeiten, neue Chancen

Für EVI wird dazu das volle Paket, eine Managed Cloud, genutzt. Hierbei stellt DB Systel sowohl eine Plattform als auch die Anwendungen zur Verfügung und kümmert sich im laufenden Betrieb um Anpassungen. Dazu Pflume: „Wir liefern heute etwa monatlich eine neue EVI-Version aus. Das wollen wir deutlich beschleunigen in Richtung continuous delivery. Das wird bedeuten: Jede kleine Verbesserung, die wir fertig entwickelt haben, überführen wir auch sofort in die Produktion. Wir können dann gleich feststellen, wie die Anwender die Neuerungen annehmen.“ Davor seien aber weitere Vorarbeiten notwendig. Es müssen automatisiert neue Softwarepakete geschnürt und getestet werden, die dann ausgeliefert werden können. „Die Cloud mit ihrem hohen Grad an Automatisierung wird uns dabei sehr helfen.“

DB Enterprise Cloud

Wenn Sie von Ihrem Endgerät aus über Intranetzugang verfügen, so gelangen Sie hier direkt zur Website für die Cloud-Computing-Lösung des DB Konzerns mit weiteren Details.

Sparen mit der Cloud

Noch größer sind die Einsparungen für Marcus Gilg von DB Regio Bus. Dort hat man sich ebenfalls für die Cloud entschieden, allerdings in der Variante „unmanaged“. DB Systel liefert hier den Zugang zur Cloud, und DB Regio Bus kümmert sich selbst um den laufenden Betrieb. Gilg rechnet dadurch mit einer immensen Kostenersparnis gegenüber dem alten Modell. Basis dafür ist wieder eine initiale Beratung und ausreichende Optimierung im Onboarding-Prozess mit DB Systel. Angesichts der schwindenden Margen im Personenverkehr und des hohen Wettbewerbsdrucks sind Kosteneinsparungen gerade in Unterstützungsprozessen wie der IT ein sehr gutes Argument für technische Veränderungen.

Fünfmal so effizient

Noch wichtiger sind allerdings die Geschäftsperspektiven, die diese Form der Digitalisierung eröffnen. So konnte die DB Regio Bus nicht nur die Gesamtkosten senken, sondern auch die Investitionen im Vergleich zu den variablen Ausgaben. Künftig wird nur das an Software und Servern angemietet, was gerade notwendig ist. Unterversorgung oder Geldverschwendung durch Bereitstellung von Zusatzservern soll so vermieden werden. Dies spielt immer dann eine Rolle, wenn etwa nach positiven oder negativen Entscheidungen zu Verkehrsverträgen kurzfristig eine IT-seitige Anpassung erforderlich wird.

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Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass wir mit der Cloud zu einer hohen Datensicherheit beitragen

Marcus Gilg (DB Regio AG)

Im besten Fall könne die Unternehmenseffizienz gesteigert werden, sagt Gilg. Berechnungen von Verkehrsszenarien, die früher fünf Tage in Anspruch genommen hätten, seien heute durch die kurzfristige Skalierbarkeit der Kapazitäten an nur einem Tag durchführbar. Ist die Analyse der Verkehrsszenarien abgeschlossen, wird die Serverkapazität wieder heruntergefahren. Diese Flexibilität bei der IT-Infrastruktur erhöht also unmittelbar auch die fachliche Reaktionsgeschwindigkeit und liefert somit direkten Geschäftsnutzen.

Datensicherheit im Fokus

Auch auf eine häufig geäußerte Sorge von Cloud-Skeptikern, den mutmaßlich geringeren Datenschutz, hat Gilg eine überraschende Antwort: „Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass wir mit der Cloud zu einer hohen Datensicherheit beitragen.“ Natürlich sei man auch zuvor auf Sicherheit bedacht gewesen, der Cloud-Partner der DB Systel, Amazon Web Services (AWS), biete aber ganz neue Möglichkeiten gegenüber einem reinen Eigenbetrieb der IT. Sei es bei der Aktualisierung der Schutzmechanismen in der Software oder durch Schutz vor physischen Schäden der Server. Die von DB Systel genutzten AWS-Server werden in Frankfurt betrieben und fallen außerdem unter deutsches Recht. So sind zum Beispiel personenbezogene Daten, wie die in EVI, besonders sicher.

Noch steckt die DB Regio Bus mittendrin in ihrem Transformationsprozess in die Cloud. Das erste von sieben Rechenzentren, die nach und nach eingegliedert werden sollen, war das in Bayern. Seit November vergangenen Jahres nutzt die Gesellschaft die Wolkenlösung, bis Ende 2017 soll die vollständige Migration in allen sieben Zentren abgeschlossen sein.

Ein Weg, der auch für viele andere IT-Systeme im Konzern lohnend sein kann.