Es werde Licht – wo es gebraucht wird
© Deutsche Bahn AG

Lumen over IP

Es werde Licht – wo es gebraucht wird

11/2015 - Die Dauerbeleuchtung von Bahnhöfen verschwendet jede Nacht unnötig Energie. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Eine intelligente Lichtsteuerung muss her.

Licht ist Leben. Seit Jahrtausenden verheißt es den Menschen Wärme, Geborgenheit und Sicherheit. Doch mit der elektronischen Revolution kam auch die Dauerbeleuchtung und zeigte: Es gibt auch ein Zuviel an Licht, man spricht mittlerweile sogar schon von Lichtverschmutzung. Die stört nicht nur die Nachtrhythmen von Menschen, Tieren und Pflanzen, sondern verschwendet auch noch Unmengen an Energie. Dabei gibt es heute effektive Wege, die verschwenderische Dauerbeleuchtung in den Griff zu bekommen – auch dort, wo das Licht nie ganz abgeschaltet werden darf.

Bei der Bahn ist das etwa auf Bahnhöfen der Fall. Aus Sicherheitsgründen ist es keine Option, die Lichter an Bahnhöfen einfach ganz abzuschalten. Dafür ist das Risiko von Vandalismus oder Überfällen schlicht zu groß. Ein Dimmen oder selektives Abschalten der Lampen ist manuell viel zu aufwendig. Das Licht bleibt also meist einfach eingeschaltet. Bis jetzt. Denn die Bahn strebt im Rahmen der Strategie 2020 einen drastisch reduzierten Energieverbrauch an – da bleibt natürlich auch die Bahnhofsbeleuchtung nicht außen vor. Zeit für das Projekt Lumen over IP: Die Lichtschaltung wird smart.

Die intelligente Leuchte

Es werde Licht – wo es gebraucht wird
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Denn Lumen over IP übernimmt eigenständig die automatische Lichtsteuerung. Eine halbe Stunde nach dem letzten Zug greift ein definiertes Szenario und sorgt für eine bedarfsgerechte Beleuchtung – vollautomatisch. Eine halbe Stunde vor Abfahrt des ersten Zuges ist die Beleuchtung wieder vollständig zurück. Das klingt erst mal wie eine einfache Zeitschaltuhr. Doch Lumen over IP kann noch mehr. Denn selbst wenn sich der Zug verspätet, ist das kein Problem: Über eine Internetverbindung erfährt das Lampensteuerungssystem davon und verzögert das Schalten der Leuchten entsprechend. In Zukunft soll auch das Anfahren der Rolltreppe, oder auch Bewegungen auf dem Bahnsteig erkannt und am Gleis für Vollbeleuchtung sorgen. Der Sicherheitsdienst kann dann die Lichter sogar jederzeit anknipsen – ganz einfach per Smartphone-App.

Lumen over IP hilft aber nicht nur bei der Stromersparnis, sondern erleichtert auch die Wartung. In Bahnhöfen mit modernen Lichtanlagen kann jede Lampe einzeln mit dem Internet verbunden werden. So kann das System sie individuell dimmen oder ausschalten – aber auch ständig ihren Zustand überprüfen. Bei Bedarf kann dadurch viel schneller reagiert und die Lampe wieder instand gesetzt werden.

Vielseitiges Konzept

Natürlich ist der Einsatz der intelligenten Lichtsteuerung nicht auf Bahnhöfe beschränkt. Denn ob in einer Instandhaltungshalle außerhalb der Schicht, auf Gleisgeländen oder für Konferenzräume in Bürogebäuden: Die intelligente Lichtsteuerung Lumen over IP kann in einer ganzen Reihe von Szenarien die unnötige Verschwendung von Energie verhindern. Ganz einfach, indem sie das Licht an die tatsächlichen Bedürfnisse anpasst. So schont sie die Umwelt – und spart Kosten.

Noch klingt das wie Zukunftsmusik. Dabei ist das erste Pilotprojekt der DB Systel gemeinsam mit Ihrem Partner der DB Station & Service, sowie der CGI Group bereits gestartet. In einer Machbarkeitsstudie wird der Bahnhof Köln-Mülheim seit August 2015 nachts nur noch halb erleuchtet. Allerdings werden die Lampen nicht gedimmt. Dafür ist die vorhandene Technik nicht geeignet. Stattdessen setzt man hier auf eine „Halbnachtschaltung“ genannte Lösung: Es ist nur noch jede zweite Lampe eingeschaltet. Die Lampen werden aus zwei unterschiedlichen Stromkreisen versorgt, die einzeln täglich wechselnd abgeschaltet werden. Im Rahmen des Pilotprojektes ist es heute auch schon möglich, über die eingesetzte Software das Licht jederzeit (z. B. in Notfällen, oder bei Zugverspätungen) zu steuern, wobei die Steuerbefehle direkt über das IP-Netz übertragen werden. Drei Monate läuft die Testphase, 2016 soll es dann ein fertiges Produkt geben – und weitere Bahnhöfe sollen folgen.