Hackathons und Crowdsourcing sichern Innovation
© DB Systel GmbH

Bahnhof für offene Daten

Hackathons und Crowdsourcing sichern Innovation

03/2016 - Die Bahn öffnet sich der Entwickler-Community. Über ein konzernweites Datenportal stellt sie viele ihrer Datenschätze frei zur Verfügung. So können Programmierer Anwendungen entwickeln, von denen alle profitieren.

Inzwischen stellen viele Firmen und Verwaltungen ihre Daten offen ins Netz. Das geschieht beispielsweise, um das Informationsbedürfnis der Bürger zu befriedigen. Unternehmen können mit ihren Daten aber auch neue Nutzungsmöglichkeiten schaffen.

Das funktioniert gut mit sogenannten „Hackathons“ – der Name setzt sich zusammen aus Hacken und Marathon: Das sind Wochenendveranstaltungen, bei denen interessierte Programmierer in weniger als 48 Stunden versuchen, mit den Daten Aufgaben zu lösen. Eine Kraftanstrengung sind diese Events auf jeden Fall. Die Entwickler motiviert hierbei, im Wettbewerb – alleine oder im Team – als Erste etwas mit neuen, „unverbrauchten“ Daten zu schaffen. Dabei entstehen Prototypen für innovative, lebensnahe Anwendungen.

Auf einem Design Thinking-Workshop von DB Systel wurde die Idee geboren, einen solchen Hackathon zu organisieren. In nur drei Wochen startete dann die erste gemeinsame Veranstaltung „DB Data Train Challenge “ (03/2015) von Personenverkehr und DB Systel. Dabei zeigte sich, wie wertvoll die Daten der Deutschen Bahn sind.

Allerdings standen die genutzten Daten nach dem Hackathon nicht mehr zur Verfügung. Das sorgte bei vielen Teilnehmern zunächst für Frustration. Sie hatten ihr Wochenende geopfert, aber das Ergebnis war wegen der fehlenden Daten nicht weiter nutzbar.

Portal für offene Daten

„Eine wesentliche Erkenntnis des ersten Hackathons war, dass das Format ohne dauerhaft offene Daten nicht funktioniert“, sagt Tobias Friedrich von DB Systel. Auch aus dieser Erfahrung heraus wurde im Konzern beschlossen, die Daten sukzessive zu öffnen und ein konzernweites Portal für offene Daten zu schaffen.

Um dies zu erreichen, hat sich ein Open-Data-Team gebildet, in dem überzeugte Mitarbeiter aus verschiedenen Geschäftsfeldern zusammenarbeiten. Derzeit sind überwiegend Mitglieder der Konzerninitiative Infrastruktur 4.0 sowie Mitarbeiter der DB Systel vertreten. In einem gemeinsamen Auftakt dieses Open-Data-Teams entstand das jetzige Datenportal data.deutschebahn.com. Dieses wurde mit ersten Datensätzen aus dem Fernverkehr und der Infrastruktur befüllt, unter anderem Bahnhöfe, Aufzüge und Betriebsstellen. Kürzlich hat DB Vertrieb auch die ersten Fahrplandaten über eine Schnittstelle veröffentlicht. Das Datenportal ist sozusagen der Bahnhof für offene Daten des gesamten Konzerns.

Neue Anwendungsideen und Qualitätssteigerung durch Crowdsourcing

Mittlerweile hat bereits ein dritter Daten-Hackathon im Dezember 2015 stattgefunden. Diesmal sind ca. 100 Entwickler in der DB mindbox, dem Innovationslabor der Initiative Infrastruktur 4.0, zusammengekommen, um mit den freigegebenen Daten der Bahn zu arbeiten. Als besonderes Schmankerl hat DB Station&Service Live-Daten des Betriebsstatus zu 100 bundesweit verteilten Aufzügen freigegeben. Am Ende des Hackathons wurden 17 Prototypen präsentiert. Neben einer App zur Crowd-basierten Erfassung fehlender Aufzugsdaten ist auch der Prototyp des „Aufzugswächters“ entstanden. Diese App benachrichtigt den Nutzer über den Betriebszustand von Fahrstühlen auf Bahnhöfen. Für mobilitätseingeschränkte Reisende sind das wichtige Informationen.

Im Crowd-basierten Ansatz liegt also viel Potenzial, wenn interessante Daten herausgegeben werden. Vorteilhaft ist hier, dass externe Entwickler nicht in internen Unternehmensgrenzen denken, sondern die Lösung des Problems im Fokus haben: „Open Data dient als Ideengenerator“, sagt Tobias Friedrich. Daraus entstehende innovative Apps oder Features könnten beispielsweise später in eigene Anwendungen integriert werden.

Allerdings löst Open Data nicht jedes Fachproblem. Die Erwartungen an Lösungen dürfen nicht zu hoch gesteckt werden, denn die Ergebnisse sind ein Stück offen und können nur bedingt über Hackathons und Community Management gesteuert werden. Die ersten geschaffenen Mehrwerte für die Fachbereiche stimmen aber sehr positiv und bestätigen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Deshalb ist es wichtig, dass die Veröffentlichung von neuen Daten gezielt erfolgt.

Jetzt werden im Konzern Datenlieferanten benötigt

Um den Bestand auch auf andere Geschäftsfelder auszuweiten, ist das Open Data Team nun auf die Mithilfe aus dem Konzern angewiesen. „Wir möchten alle Konzernteile ermuntern, ihre Daten zur Verfügung zu stellen“, sagt Axel Sommer. „Davon können alle profitieren – die Entwickler-Community, die Fachbereiche und vor allem die Kunden der Bahn.“

Möchten Sie Ihre Daten teilen?
Bitte wenden Sie sich direkt an das Open-Data-Team – Kontakt: dbopendata@deutschebahn.com

Hier stehen die Experten des Open-Data-Teams beratend und unterstützend bei der Auswahl und Transformation von Datenbeständen zur Verfügung.