Dirk Wendt an seinem Arbeitsplatz
@ Deutsche Bahn AG

Von der Idee aufs Smartphone

Hier geht es ganz schön App!

11/2016 - Ein Weg in eine mobile Zukunft führt über passende Apps. DB Systel entwickelt für Kunden und Partner individuelle Anwendungen. Wie solche Apps entstehen, zeigt ein Besuch am Arbeitsplatz.

Dirk Wendt
Dirk Wendt, Entwickler im Solution Center Mobile der DB Systel
© Deutsche Bahn AG

Man kann Dirk Wendt getrost als ein Eigengewächs von DB Systel bezeichnen, denn bereits 2010 begann der inzwischen 26-Jährige im Unternehmen seine Ausbildung zum Fachinformatiker. Im Anschluss arbeitete er dort mehr als ein Jahr im Projekt IRIS mit, einer Webschnittstelle zur Anzeige von Fahrplandaten. Ende 2014 wechselte Dirk Wendt dann ins Solution Center Mobile. Hier beschäftigt er sich seitdem mit der Entwicklung von Systemlösungen und Smartphone-Apps. Für Dirk Wendt ist es ein Traumjob, denn schon als Jugendlicher interessierte er sich für Computer und Software

Der Zugriff auf digitale Inhalte und Funktionen erfolgt überall und immer mehr per Smartphone. DB Systel entwickelt unterschiedlichste Apps für den benutzerdefinierten Einsatz. Das können Anwendungen auf B2B-Ebene sein, aber auch Apps für Fahrgäste. Doch egal, welche Zielgruppe mit der App angesprochen werden soll – die Entwicklung erfolgt individuell und wird auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten. Sei es eine App wie PlanStart, die in wenigen Wochen entwickelt wurde. Oder das deutlich umfangreichere Projekt MEM Mobil von Dirk Wendt, mit dem ganz allgemeine Störungen erfasst werden können.

„Natürlich müssen wir bei der Entwicklung nicht jedes Mal alles neu denken“, sagt Dirk Wendt. „Doch jeder Kunde hat eigene Rahmenbedingungen.“ So möchte DB Station&Service künftig durch den Einsatz von mobilen Anwendungen wie MEM Mobil und PAP Mobil Qualitätskontrollen effizienter durchführen, Zeit und Kosten sparen oder ganz banal den Papierverbrauch reduzieren. „Die Zusammenarbeit ist fantastisch. Die Kollegen sind technologisch versiert und auf der Höhe der Zeit. Sie wissen ganz genau, was sie wollen“, sagt Dirk Wendt. Für die App wurde bereits beim Briefing ganz genau festgelegt, welche Funktionen enthalten sein sollen, und sogar das grundsätzliche Layout wurde vorgegeben. „So können wir uns auf die technische Umsetzung konzentrieren.“

Aus vielen Apps wird eine

Bisher gab es mehrere Apps zur Prüfung von jeglichen Gegenständen, die sich auf dem Bahngelände befinden. Ziel von PAP Mobil ist es, den Prüfungsvorgang der älteren Apps teilweise in einer Anwendung zu konsolidieren und so alle Prüfungen zusammenzuführen, die zu erledigen sind. Mehr noch: Es ist möglich, auch Fotos und Kommentare per App hinzuzufügen. Wird bei einem Rundgang über das Gelände also beispielsweise festgestellt, dass eine Lampe, die in einer Prüfung kontrolliert werden muss, nicht in Ordnung ist, kann der Mitarbeiter gleich mit dem Smartphone ein Foto von dieser Lampe machen und mitschicken. Das spart Zeit und Papier und beseitigt darüber hinaus Fehlerquellen, denn häufig mussten Mitarbeiter ihre Fundstücke und Anmerkungen auf Formularen notieren und dann händisch ins Computersystem übertragen. Da Mängel noch schneller behoben werden, bringt die App indirekt auch für Reisende mehr Service und Qualität.

Auswahl an von DB Systel entwickelten Apps

PlanStart

Die smarte App hilft dabei, Verspätungen sichtbar zu machen und zu reduzieren

THOR

Bei der Versorgung der Züge muss es schnell gehen. Um den Zustand von WCs in den Zügen besser zu überblicken, hilft jetzt eine App: Dank THOR werden Zugtoiletten bedarfsgerechter ver- und entsorgt.

DB Barrierefrei

Die App DB Barrierefrei orientiert sich an den Bedürfnissen von Reisenden mit Behinderungen. Ziel der App ist es, Kunden einen digitalen Reisebegleiter mit allen relevanten Informationen entlang ihrer Reisekette in einer für sie hilfreichen Form zur Verfügung zu stellen. Ein Konzept, das überzeugt: Die App wurde mit dem Hessischen Staatspreis Universelles Design 2016 ausgezeichnet.

 

Video: So funktioniert die App „DB Barrierefrei“..
© DB
Vertrieb GmbH

ÜtF

Die Triebfahrzeugführer von DB Fernverkehr müssen sich zweimal im Jahr einer Überwachungsfahrt, ähnlich einer Fahrprüfung, unterziehen. Der gesamte Prüfungsprozess erfolgte bisher aufwendig in Papierform. Seit Anfang des Jahres wird die Prüfung und Überwachung von Triebfahrzeugführern (Ütf) mithilfe einer App durchgeführt.

PAP Mobil

Die Anwendung konsolidiert Prüfungen mit entsprechenden Prüfungsintervallen. Arbeitsaufträge werden so noch einfacher erteilt, abgezeichnet und archiviert. So entfällt auch das nachträgliche Digitalisieren und Archivieren der Aufträge.

MEM Mobil

Mit der App MEM Mobil werden alle Störungen im Bahnhof getrackt und gesteuert. Statt Mängel und Störungen umständlich auf Zetteln zu notieren und später händisch ins System einzutragen, kann der Mitarbeiter diese jetzt direkt per App eingeben.

DIVA

In den Instandhaltungswerken des DB Fernverkehrs regiert das Papier. Arbeitsaufträge werden ausgedruckt, abgezeichnet und wieder eingesammelt. Später muss alles aufwendig digitalisiert werden. Damit ist bald Schluss: Gemeinsam mit DB Systel werden die Formulare auf das Tablet gebracht.

Die App-Entwicklung ist nur ein Teil der täglichen Arbeit von Dirk Wendt und seinen Kollegen. Mindestens genauso wichtig ist es, Kunden zu beraten – im Vorwege, aber auch während eines Projekts. So haben Kunden manchmal noch keine konkreten Vorstellungen oder sie brauchen Unterstützung dabei, Abläufe zu optimieren. Denn eines ist klar: Eine App kann nur dann Verbesserungen bringen, wenn die Prozesse dahinter funktionieren.

Während der Entwicklung einer App ergeben sich zudem immer wieder zu klärende Punkte, beispielsweise wie man das Design trotz vieler Funktionen so anwenderfreundlich wie möglich umsetzt. In Zusammenarbeit mit dem UX-Team, das für die Gestaltung des Interface und die Nutzerführung zuständig ist, werden häufig während der Programmierung Fragen zur optimalen Bedienung schnell gelöst und umgesetzt. Und hier zahlt sich das durch die enge Zusammenarbeit gewachsene Vertrauen aus: „Wenn uns etwas auffällt, das vielleicht für den User zu optimieren ist, sagt der Kunde zu unseren Vorschlägen meistens Ja.“

Gemeinsam zur besten Lösung

Ein täglicher Austausch mit den Kunden per Telefon sorgt dafür, dass alle Beteiligten über den aktuellen Stand der Entwicklung informiert sind. Darüber hinaus erhält der Kunde ein- bis zweimal in der Woche die Möglichkeit, sich live ein Bild von den Prototypen zu machen und implementierte Funktionen zu testen. So ist der Kunde über jede Entwicklungsphase informiert, und man nähert sich gemeinsam der besten Lösung an. Und dafür wird nicht einmal ein Smartphone benötigt.

Denn eine Herausforderung bei der App-Entwicklung sind die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten von Endgeräten und Android-Versionen. Hinzu kommt die von Smartphone zu Smartphone unterschiedliche Display-Größe. Um zu überprüfen, wie die App auf den gängigen Geräten funktioniert, nutzt Wendt eine Entwicklungsumgebung auf einem Computer, auf dem verschiedene Smartphones emuliert werden können. „Unsere Entwicklung wird unterstützt von standardisierten Oberflächenlayouts und Interaktionsmodellen, die als wiederverwendbarer Code zur Verfügung stehen. Diese Bedienkonzepte, die mit dem UX-Team entwickelt werden, gestatten es uns, dass alle unsere Apps ein ähnliches look and feel und somit einen hohen Wiedererkennungswert haben.“ So wird während der Entwicklung die Mindestvoraussetzung, die ein Smartphone erfüllen muss, gemeinsam mit den Kunden festgelegt. Zumal auch die Konzernrichtlinien für geschützte Daten berücksichtigt werden müssen – viele ältere Android-Versionen bieten keine entsprechenden Möglichkeiten mehr und entsprechen daher nicht den erforderlichen Standards.

Wünsche erfüllen und Ziele erreichen

Probleme lösen, Dinge und Abläufe besser machen – das ist es, was Dirk Wendt an seiner Arbeit liebt. Aus diesem Grund hat er auch nebenberuflich mit einem Fernstudium der Angewandten Informatik begonnen, um sein Wissen noch weiter zu vertiefen. Sogar seine Zugfahrten von und zur Arbeit nutzt er fürs Lernen, damit er nach jetzt noch drei Semestern seinen Abschluss in der Tasche hat.

Deutlich vorher, nämlich Ende dieses Jahres, soll die Weiterentwicklung von PAP Mobil fertig sein. Aber das nächste Projekt steht für Dirk Wendt schon fest. „Ich möchte mich mit hybriden Apps beschäftigen“, also Anwendungen, die auf verschiedenen Betriebssystemen funktionieren. „So bekommen unsere Kunden für relativ geringe Kosten den größtmöglichen Nutzen.“ Auf die Frage, was die Zukunft für ihn bringen soll, verrät Wendt, dass er sich eine Verbindung aus Technologie und Reisen vorstellen könne. Nach kurzem Überlegen fügt er hinzu: „Eigentlich habe ich das bei der Deutschen Bahn gefunden.“