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Digitale Unterstützung ist Trumpf

Lernen wird Teil des Arbeitsalltags

11/2017 – Neue Techniken, Vorgehensweisen oder Methoden der Zusammenarbeit: Der Mensch von heute kommt ohne fortwährendes Lernen nicht mehr aus. digital spirit gibt einen Überblick über die verschiedenen Methoden und innovativen Lernansätze, deren Vorteile, aber auch Herausforderungen.

Wirft man heute einen Blick in die Entwicklerteams für Software, so sieht man immer häufiger zwei Programmierer vor einem Bildschirm sitzen: Der eine schreibt, der andere schaut zu. Nein, es sind nicht zu wenig Arbeitsplätze vorhanden, sondern die beiden programmieren „als Paar“. Während der eine seine Realisierungsidee als Programmcode in den Computer tippt, „kontrolliert“ der zweite Entwickler die Eingaben, während er selbst auch noch mal über die Problemstellung nachdenkt. Probleme, die ihm auffallen, kann er auf diese Art und Weise sofort adressieren. Paarprogrammierung (engl. Pair Programming) hat weniger Fehler im Code zur Folge und fördert eine höhere Disziplin bei der Arbeit. Zugleich kann jeder der Partner von den Erfahrungen des anderen lernen und dies unmittelbar anwenden. Diese Art der Zusammenarbeit setzt ein gewisses Vertrauen und damit eine stattgefundene Teambildung voraus. Bei der DB Systel sind diese und weitere agile Methoden schon länger in Anwendung – mit dem Ziel, bessere Software zu entwickeln.

Aber nicht nur die konkrete Zusammenarbeit vor einem Bildschirm ist neu, auch neue Formen von Konferenzen sind in den vergangenen Jahren – unter anderem durch den Druck der veränderten Arbeitswelt – entstanden. So nutzt auch die DB Systel immer öfter das auf der Open-Space-Methode basierende Barcamp-Format für interne Konferenzen zum Wissensaustausch. Dabei entwickelt sich erst zu Beginn der Veranstaltung eine Agenda, indem die Teilnehmer ihre Vortrags- bzw. Austauschthemen in ein Plenum einbringen und über ihr Interesse an der Behandlung abstimmen. Nachdem der Plan – meistens mit sogenannten Sessions im Stundenrhythmus –  feststeht, tauschen sich die Teilnehmer im Laufe des Tages in lockerer Atmosphäre aus, wobei Hierarchiegrenzen meistens durch ein generelles „Du“ ausgehebelt sind. Diese Methode erzielt einen großflächigen Überblick über viele Themen und garantiert durch die Abstimmung eine Vertiefung bestimmter Inhalte.

Lernen neu definieren

Diese beiden Beispiele zeigen, dass neue Methoden des Lernens bzw. des Wissensaustauschs längst ihren Weg in den Arbeitsalltag bei der DB Systel gefunden haben. Aber auch bei der Unterstützung durch digitale Inhalte geht die Deutsche Bahn neue Wege. In konzernübergreifender Zusammenarbeit von DB Training, DB Cargo und DB Systel wurde im Sommer dieses Jahres die international einsetzbare Lernplattform ELMS (European Learning Management System) gestartet und wird 2018 vollständig ausgerollt. Auf dieser Plattform werden verschiedene Lerntechnologien bereitgestellt und genutzt, wie zum Beispiel Simulationen in 2-D und 3-D, E-Learning-Module, Videos oder Lernfilme. Besonders unterstützt werden im neuen System kooperative Lehr- und Lernmethoden: Die Lernenden tauschen sich hierbei online aus. Sie treffen sich in virtuellen Klassenzimmern oder diskutieren in Foren. Über ein Wiki vertiefen sie ihr Wissen und stellen Lernergebnisse dar. Auch die Tests und Zertifizierungen zu den aktuellen Lektionen werden online durchgeführt.

Neue Techniken der Weiterbildung

Mit dem ICE 4 – dem neuen Fernverkehrszug der Deutschen Bahn – hält auch eine neue, von der DB Systel mit entwickelte Weiterbildungsform flächendeckend Einzug bei der Deutschen Bahn. Sowohl bei der Ausbildung der Triebfahrzeugführer als auch bei Mitarbeitern des Bordservice wird EVE (Engaging Virtual Education) eingesetzt, eine Simulation des Zuges mit seinen Funktionen in einer virtuellen Umgebung. Ausgestattet mit einer 3-D-Brille können Nutzer mit EVE diese virtuelle Lernumgebung betreten, die natürlichen Bewegungen und Gesten werden erfasst. Funktionen werden regelrecht greifbar, wodurch das Lernen deutlich intensiviert wird – besonders bei Schulungsthemen wie einem Brand im Zug und anderen Szenarien, die an realen Zügen und Fahrsimulatoren nicht unterrichtet werden können (Vortrag auf re:publica: Lernen mit Augmented und Virtual Reality). Aber nicht nur in einer virtuellen Umgebung sind diese Lerninhalte erfahrbar, auch mittels eines herkömmlichen Tablets hat ein Triebfahrzeugführer die Lerninhalte immer in kompakter Form dabei.

Derzeit noch in der Entwicklung befinden sich sogenannte Mixed-Reality– Anwendungen: Dabei werden zum Beispiel einem Wartungstechniker Informationen zum reparierbedürftigen Objekt (etwa eine Weiche oder ein Schaltschrank) direkt als Überlagerung in sein Sichtfeld projiziert. Bei der Bahn wird diese Technologie zu Ausbildungszwecken erprobt.

Video: © DB Systel GmbH

Virtual Reality wird immer stärker Teil der Weiterbildung – hier am Beispiel der S-Bahn Wartung und Reinigung. Gamification-Ansätze sorgen für Spaß und wecken den Ehrgeiz.

Communities halten Einzug in den Arbeitsalltag

Beim „Agile Round Table“ (ART), einem informellen Treffen, bietet sich für alle Praktiker und Interessierte im DB-Konzern die Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre über Agilität auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Der ART ist nur ein Beispiel für eine wachsende Zahl von Communities, die wertvolle Impulse für die Arbeit liefern. Ein weiteres Beispiel ist die von der DB Systel zur Verfügung gestellte IT Support Community. In diesem vom IT-Helpdesk betreuten Forum können Benutzer selbst eigene Fragen stellen und sich auch gegenseitig helfen. Dort finden sie Antworten auf ihre Fragen, zum Beispiel zu Office 365, dem neuen konzernweit einzuführenden Bürokommunikationssystem, das auch die Art der Zusammenarbeit verändern wird.

Mit der Einführung des neuen Social Intranets der Deutschen Bahn, dem „DB Planet“, entstand zusätzlich eine Plattform für eine Reihe von selbst organisierten Communities zu vielen Themen des Mitarbeiteralltags: von der IT in Schienenfahrzeugen über ein Zukunftsradar zu aktuellen Trendthemen, Multicoptern bei der Bahn oder auch einem Austausch der Multiplikatoren des Programms „Zukunft Bahn“, um nur wenige beispielhaft zu nennen.

Auch eine weitere Form des Lernens beginnt sich bei der DB Systel zu etablieren: „Working out loud“. Diese von einem ehemaligen Mitarbeiter der Deutschen Bank, John Stepper, erdachte Methode zum Erlernen einer offenen und für soziale Arbeitsnetzwerke produktiveren Haltung setzt auf kleine Lerngruppen. Während eines zwölfwöchigen Programms entwickeln die Teilnehmer „nach und nach eine offene, freigiebige und vernetzte Arbeits- und Lebenseinstellung. Mithilfe dieses Ansatzes macht der Alltag mehr Spaß, und man entdeckt neue, ungeahnte Möglichkeiten“, so John Stepper.

Herausforderungen für Führungskräfte

Mit diesen vielfältigen neuen Lernmethoden wird es aber auch für Führungskräfte immer schwieriger, „Schritt zu halten“ und den Wissensstand der eigenen Mitarbeiter im Blick zu haben. Natürlich helfen dabei Tools wie ein Learning Management System, aber auch im persönlichen Bereich sind die Herausforderungen größer geworden. Selbstorganisation, agile Methoden und neue Formen der Führung stellen Führungskräfte tagtäglich vor neue Herausforderungen. Unter anderem um diesem zu begegnen, hat die DB Systel – neben der Rekrutierung von externen Coaches – auch ein Programm zur Vermittlung von internen Coaches gestartet. Neben den Führungskräften können auch alle anderen Mitarbeiter der DB Systel, die sowohl ein Business-Coaching als auch ein an den persönlichen Bedürfnissen orientiertes Coaching wünschen, dieses Angebot in Anspruch nehmen. Durch die Selbstorganisation treten Konflikte, mit denen bisher Führungskräfte zu tun hatten, verstärkt auch bei anderen Rollen auf. Der „Coachpool“ wird dabei von Mitarbeitern der DB Systel gebildet, die über eine entsprechende Ausbildung mit Zertifizierung verfügen. Die Mitglieder dieses Coachpools sehen sich als Weg- und Prozessbegleiter, die einen Perspektivwechsel anbieten und eine Stütze während der Veränderung sein können.

Noch kein Ende in Sicht

In allen Bereichen der Weiterbildung und der Assistenzsysteme findet derzeit ein Umbruch statt. Innovationslabore, wie die DB mindbox oder das Skydeck der DB Systel und das von ihm veranstaltete Accelerator-Programm für bahninterne Ideengeber, sogenannten Intrapreneuren, bringen immer neue Produktideen auch im Bereich der Weiterbildung und des Lernens hervor.

Sicher ist, dass unser Arbeitsalltag der Zukunft von einem fortwährenden Lernen bestimmt werden wird, um mit den rasanten Entwicklungen Schritt halten zu können. Neue Methoden verändern das Lernen an sich, erzeugen zusätzliche Motivation durch interessante Konzepte, wodurch dröges Auswendiglernen von Inhalten mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird.