Agilität Header Creative professionals using laptops
© Corbis

Innovative Arbeitsmethoden

Mit Agilität gemeinsam zu besserer Software

03/2016 - Bei der Softwareentwicklung ist zunehmend eine schnelle Reaktion auf veränderte Bedürfnisse wichtig. Agiles Vorgehen schafft die nötige Flexibilität. Zentral ist dabei die enge partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kunden. Der „Agile Round Table“ fördert das agile Verständnis im Konzern.

In unserer Welt ändern sich Geschäftsmodelle und -prozesse in einem rasanten Tempo. Daran muss sich auch die Softwareentwicklung anpassen. Ansonsten können Anforderungen schnell von der Realität überholt werden. Daher setzt sich agiles Vorgehen mehr und mehr durch.

Wasserfall-Vorgehen in agiler Methode
© DB Systel GmbH

Beim klassischen Vorgehen nach dem sogenannten Wasserfall-Modell legt der Kunde zu Beginn alle seine Anforderungen fest. Dann werden schrittweise Konzepte unterschiedlichen Detaillierungsgrades erstellt, und der komplette Umfang der Software wird programmiert, getestet und ausgeliefert.

Erst am Ende des Projekts erhält der Kunde dann einen Wert in Form eines funktionierenden Produkts. Dieses entspricht aber eventuell nicht seinen tatsächlichen Bedürfnissen – weil etwa wichtige Dinge vergessen wurden oder sich die Welt inzwischen verändert hat.

Agile Methode agiles Vorgehen
© DB Systel GmbH

Beim agilen Vorgehen werden in kurzen Zyklen von jeweils ein bis vier Wochen Dauer komplett fertige, lauffähige Teile der Software erstellt. Diese können von Nutzern ausprobiert werden, was wertvolles Feedback für die Priorisierung von – auch neuen – Anforderungen für den nächsten Zyklus liefert. Der Projektumfang bleibt bis zum Ende des Projekts flexibel, und das Projektrisiko nimmt durch die gewonnenen Erfahrungen und das tiefe gemeinsame Verständnis ab.

Das „Agile Manifest“

Einen kompakten Orientierungsrahmen bietet dabei das „Agile Manifest“. Darin werden vier Grundwerte als Basis für eine bessere Softwareentwicklung formuliert:

  • Menschen und Interaktion sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.
  • Funktionierende Software ist wichtiger als eine umfassende Dokumentation.
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlungen.
  • Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans.

Das bedeutet nicht, dass die anderen Aspekte gänzlich unwichtig sind – nur eben weniger wichtig. So wird Software natürlich auch beim agilen Vorgehen dokumentiert. Aber eben möglichst schlank während der Entwicklung.

Bereits in diesen vier Grundwerten ist eine neue Kultur klar zu erkennen: Menschen und deren Interaktionen sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Kunden und Entwicklern – und zwar täglich in gemeinsamen Teams – sind der Schlüssel zum Erfolg.

Viele wichtige agile Grundgedanken finden sich auch mehr oder weniger explizit in den „goldenen Regeln für den Projekterfolg“ wieder, die im Konzernprogramm „Zukunft Bahn“ formuliert wurden. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung des Themas Agilität bei der DB.

Agilität als Wunderwaffe?

Obwohl agiles Vorgehen die Möglichkeit bietet, in deutlich kürzerer Zeit zu nutzbaren Ergebnissen zu kommen und so die Time-to-market zu reduzieren, ist es keine Wunderwaffe. Jedes fertige Stück Software wird auch beim agilen Vorgehen angefordert, durchdacht, programmiert, getestet, dokumentiert und ausgeliefert. Software wird also nicht plötzlich viel billiger. Allerdings werden konsequent Aufwände vermieden, die später keinen Wertbeitrag liefern – wie etwa die detaillierte Spezifikation einer Anforderung, die später nicht umgesetzt wird.

Agiles Vorgehen ist auch nicht trivial. Es ist einfach zu verstehen, aber schwierig zu meistern. Erfolgreiche agile Teams handeln beispielsweise nicht in einem kreativen Chaos, sondern zeichnen sich durch eine hohe Disziplin aus.

Auch das Management ist gefordert: Damit agile Teams ihr Potenzial wirklich entfalten können, muss ihnen entsprechender Freiraum gewährt werden. Gerade in frühen Phasen eines Projekts wird viel weniger als bisher konkret auf Papier vereinbart. Das kann zu einem Gefühl der Unsicherheit führen, dem man mit Vertrauen ins Team begegnen muss.

Agilität sollte auch nicht als Dogma verstanden werden. So können beispielsweise regulatorische Änderungen, die zu Beginn eines Projekts klar umrissen und dann stabil sind, sehr effizient nach dem Wasserfall-Prinzip umgesetzt werden. Es muss jeweils das geeignete Vorgehensmodell ausgewählt werden. Auch Kombinationen sind möglich. Hierbei kann DB Systel auf Basis langjähriger Erfahrung fundiert beraten.

„Agile Round Table“ fördert den Kulturwandel

Vor gut einem Jahr hat DB Systel den ersten „Agile Round Table“ (ART) organisiert. Ausgangspunkt war das wachsende Interesse an agilem Vorgehen und der Bedarf an einem teamübergreifenden Austausch. ART ist ein informelles Treffen, das allen Praktikern wie Interessierten im DB-Konzern die Gelegenheit bietet, sich in lockerer Atmosphäre über Agilität auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Dabei sind auch Fragestellungen ohne Bezug zur Softwareentwicklung willkommen.

Vorträge bieten unter anderem Einblicke in konkrete Projekte innerhalb und außerhalb der DB. Sie werden durch interaktive Formate wie „Agile Games“ ergänzt, in die alle Besucher aktiv eingebunden werden. Voneinander zu lernen ist ein wesentlicher Aspekt des Konzepts. Deshalb ist auch anschließendes Netzwerken ein wichtiger Bestandteil.

Agile Round Table 16.02.16 / Agile Game „Stiftefabrik“

ART überschreitet Geschäftsfeldgrenzen und soll durch seinen Community-Gedanken ganz explizit auch den Kulturwandel im Konzern unterstützen. „Wir müssen wertschöpfender und vertrauensvoller miteinander umgehen“, sagt Dr. Marcus Gemeinder, einer der Organisatoren. „,Doing Agile‘, also das bloße Anwenden agiler Methoden und Praktiken, reicht nicht aus. Das Verinnerlichen und Leben agiler Werte, also ‚Being Agile‘, ermöglicht erst die volle Entfaltung der Potenziale.“ Auf die kulturelle Änderung müssten sich alle Parteien einlassen. „Auf diesem Weg gibt es für alle Beteiligten noch Vieles zu lernen“, sagt Gemeinder. „Gemeinsame motivierte Teams und Freiräume, in denen sie zielorientiert agieren können, werden uns zusammen erfolgreicher machen.“

Bisher gab es fünf ART-Veranstaltungen in Frankfurt mit jeweils bis zu 80 Teilnehmern aus verschiedenen Konzernteilen. Für 2016 sind vier weitere ARTs geplant. Ergänzt werden sie um separate „ART Expert Talks“, in denen gezielt Praktiker ausgewählte Aspekte ihres Projektalltags in einer größeren Tiefe diskutieren können.

Interessiert an Agilität?

Jeder Interessierte ist herzlich eingeladen, sich der ART-Community anzuschließen. Für eine Einladung zum nächsten „Agile Round Table“ wenden Sie sich bitte an Dr. Marcus Gemeinder.