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Interview zur databox

Plattform zum konzernweiten Datenaustausch

06/2016 - Am 11. Mai startete das konzerninterne Datenaustauschportal databox. Es ist der erste große Erfolg des internen Start-ups „ZERO.ONE.DATA“ (ZOD) der DB Systel zusammen mit der Innovationsinitiative „Infrastruktur 4.0“. Im Interview erläutert ZOD-Teamleiter Dr. Lars Freund, welche Chancen das neue Portal für Big-Data-Anwendungen bietet.

digital spirit: Herr Freund, was hat es mit der databox auf sich?

Lars Freund: Die databox ist eine konzerninterne Datenaustauschplattform. Auf ihr wollen wir Daten zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen, die aus den einzelnen Konzerngesellschaften angeliefert werden. So können sich spannende Kooperationen und Schnittpunkte ergeben, um mit diesen Daten einen Mehrwert für die einzelnen Gesellschaften und so am Ende auch für den gesamten Konzern zu generieren.

digital spirit: Es gibt aber schon eine offene Datenplattform der DB, das Open Data Portal. Wieso kommt jetzt die nächste Plattform?

Lars Freund: Das stimmt. Data.deutschebahn.com ist ein spannendes Projekt, bei dem Daten für jedermann frei zugänglich gemacht werden, also zum konzernexternen Zugriff. Dabei geht es aber natürlich eher um unkritische Daten. Es gibt aber auch solche Daten, die die DB-Unternehmen nicht mit aller Welt teilen wollen. Doch gerade diese Daten können einen besonderen Mehrwert bringen. Da kommt dann die databox ins Spiel, auf die man nur aus dem Konzern heraus zugreifen kann.

Website der databox

© Deutsche Bahn AG

digital spirit: Das klingt exklusiv. Was kostet das denn diejenigen, die die databox nutzen wollen?

Lars Freund: Das kommt ganz darauf an, wie man sie nutzen will. Das Anschauen und Herunterladen von Daten ist grundsätzlich kostenfrei. Möchte ein Datenlieferant Daten zur Verfügung stellen und sie in der databox veröffentlichen, so ist das selbstverständlich auch kostenlos möglich. Wir möchten über die databox Transparenz über die Daten im Konzern schaffen, um mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen Synergien in den einzelnen Unternehmen zu erzeugen. Darum ist dieser Datenaustausch prinzipiell kostenfrei.

Erst in einem nächsten Schritt fallen Kosten an – nämlich dann, wenn wir von ZERO.ONE.DATA die Daten aufbereiten und nach bestimmten Fragestellungen analysieren. Diesen Service bieten wir in unterschiedlich großen Paketen an, die wir zusammen mit dem Kunden definieren. Wir starten zunächst mit einer Mini-Datenevaluation, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Erst dann werden weitere Analyseschritte und Mehrwertdienste mit dem Kunden vereinbart.

digital spirit: Die databox ist also auf Datenlieferungen aus den Gesellschaften angewiesen. Warum sollten die denn überhaupt liefern?

Lars Freund: Das Ganze soll genossenschaftlich funktionieren. Wer selbst etwas zur Datensammlung beiträgt, soll profitieren. Das kann so aussehen, dass wir dem Lieferanten die Daten passend zu einem aktuellen Problemfeld aufbereiten. Wenn sich daraus Lösungen ergeben, kann das den Gesellschaften am Ende des Tages bares Geld einsparen. Wenn wir beispielsweise auch konzernexterne Daten einbeziehen, wie Wetterprognosen und Veranstaltungskalender, könnten wir etwa DB Fuhrpark frühzeitig sagen, wo vermutlich ein großer Bedarf an Flinkster-Fahrzeugen oder Bahnrädern bestehen wird. So kommt es dann zu einer effizienteren Nutzung und höherer Kundenzufriedenheit. Möglicherweise möchte der Kunde aber auch an andere, bislang unzugängliche oder nicht aufbereitete Daten gelangen. aber auf jeden Fall kostenfrei und nicht gewinnorientiert.

digital spirit: Bei so viel Datensammelwut könnte man skeptisch werden. Stichwort: Datenschutz.

Lars Freund: Das ist uns völlig bewusst. Deswegen wird es auch keine Datensammelwut geben. Wir sind nicht Google, die erst mal im Voraus sammeln, um nachher vielleicht Verwendung für die Daten zu finden. Die Daten, die uns interessieren, sind fallbezogen und werden von uns schon vorher als potenziell wertvoll eingestuft.

© Deutsche Bahn AG

Wer selbst etwas zur Datensammlung beiträgt, soll profitieren. Das kann so aussehen, dass wir dem Lieferanten die Daten passend zu einem aktuellen Problemfeld aufbereiten. Wenn sich daraus Lösungen ergeben, kann das den Gesellschaften am Ende des Tages bares Geld einsparen.

Dr. Lars Freund (DB Systel GmbH)

Auf dem Weg zur Digitalisierung werden natürlich immer mehr Daten diese Einstufung bekommen. Wir sammeln beispielsweise keine personenbezogenen Daten, und natürlich gelten auch für uns als Start-up die Datenschutzrichtlinien der Bahn. Dazu befinden wir uns in regem Austausch mit den Konzern-Datenschützern. Die Freiheiten, die wir haben, nutzen wir nicht leichtfertig aus. Wir fragen uns immer wieder aufs Neue, welche Daten wir selbst gern preisgeben würden. So haben wir zum Beispiel diskutiert, ob wir öffentliche Facebook-Profile für Personalthemen nutzen würden. Das haben wir verneint, da wir selbst auch erwarten würden, dass diese Grenze zum Privaten respektiert und gewahrt wird. Natürlich sprechen wir auch mit den HR-Kollegen im Konzern über solche Themen.

digital spirit: Ist ZERO.ONE.DATA künftig für die Kreativität in der Analyse verantwortlich und die Konzerngesellschaften liefern zu oder ist auch die Einbeziehung Systel-externer Ideen geplant?

Lars Freund: Da sind wir sehr offen und stimmen uns mit den 4.0-Initiativen des Konzerns ab. Es wird auch Wettbewerbe und DB-interne Hackathons geben. Da stellen wir Interessierten einfach mal rohe Datensätze zur Verfügung. Unter einer bestimmten Zeitvorgabe können die Teams diese Daten dann untersuchen und sinnvolle, erfahrungsgemäß oft auch sehr überraschende Erkenntnisse daraus ziehen. Davon versprechen wir uns neue, innovative Ideen. Ganz so weit sind wir aber noch nicht. (lacht) Eines steht aber fest – ohne enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachexperten werden wir das Potenzial der Daten nicht annähernd ausschöpfen können.

digital spirit: Wie kann denn der konkrete Nutzen der databox aussehen für Unternehmen, bei denen Datenarbeit sonst nicht auf der Tagesordnung steht?

Lars Freund: Ein Beispiel kann die Kommunikation mit den Gastronomen im Bahnhof sein. Wenn wir denen sagen können, um wie viel Uhr eine große Menschenmenge mit Wartezeit umsteigen muss, können die ein paar Würstchen mehr auf den Grill legen. Es gibt praktisch keinen Teil des Bahn-Konzerns, der nicht von diesem Daten-Sharing profitieren kann.

Auch wenn wir einen Nutzen nicht immer garantieren können, ziehen wir verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Dazu bieten wir Consulting und Datenanalyse. Außerdem liefern wir bei Bedarf eine kostengünstige Datenvisualisierung, die komplexe Zusammenhänge grafisch einfach darstellt. Die databox ist im Grunde ein Schaufenster. ZERO.ONE.DATA ist dann dazu da, die ausgestellten Daten zusammen mit dem Daten-Owner gewinnbringend zu nutzen.

databox

Wenn Sie von Ihrem Endgerät aus über Intranetzugang verfügen, so gelangen Sie hier direkt zur databox-Website mit weiteren Details.

digital spirit: Von der databox könnte künftig also der gesamte Konzern profitieren?

Lars Freund: Ganz genau. Wir müssen nun schauen, wie wir die Daten nutzen können, auch um dem Bahnkunden die Reise so komfortabel wie möglich zu machen. Je mehr ich über den Kunden weiß, umso gezielter geht das. Möchte er gerne mit Informationen und einem Kaffee am Platz versorgt werden? Oder hat er lieber seine Ruhe und holt sich seinen Kaffee im Bistro? Das ist wichtig. Wenn nämlich irgendwann das autonome Fahren kommt, brauchen wir Kunden, die sich trotzdem für die Reise mit der Deutschen Bahn entscheiden, weil wir sie so angenehm und komfortabel wie möglich gestalten. Das alles geht mit den richtigen Daten, vorausgesetzt, man kann sie interpretieren.

digital spirit: Vielen Dank für das Gespräch.