Software-Kniff spart Diesel und verringert Emissionen Dieselloks Header
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Vorwärmen von Rangierloks

Software-Kniff spart Diesel und verringert Emissionen

03/2016 - Bis vor Kurzem mussten Lokführer selbst für das erforderliche Vorwärmen ihrer Dieselloks sorgen. Mit der intelligenten Verbindung zwischen einer Fernsteuerung der Vorwärmanlage und dem vorhandenen Dispositionssystem lassen sich große Mengen Dieselkraftstoff sparen – und das Umweltziel des Gesamtkonzerns rückt näher.

Rangier-Dieselloks sind die Arbeitstiere des Schienengüterverkehrs. Ohne sie geht nichts bei der Zusammensetzung, Reihung und Bereitstellung von Güterzügen. Vor einem Einsatz brauchen die Dieselloks – anders als E-Loks – allerdings eine besondere Art der Pflege: Sie müssen auf Betriebstemperatur gebracht werden, indem das Kühlwasser über eine sogenannte Vorwärmanlage auf eine Temperatur von 45 Grad Celsius erhitzt wird.

Abhängig von der Außentemperatur kann dieser Vorgang bis zu einer Stunde dauern. Bisher mussten die Lokführer bei DB Cargo beim Abstellen der Lok die Vorwärmanlage schon für die folgende Fahrt programmieren. Die nächste Einsatzzeit wurde dafür beim zuständigen Disponenten erfragt. Nachträgliche dispositive Änderungen bei der Zugbildung konnten so nicht mehr berücksichtigt werden, weshalb Rangierloks immer wieder falsch programmiert abgestellt wurden. Der Verbrauch an Dieselkraftstoff war entsprechend hoch.

Die leisen, umweltschonenden Mehrmotor-Diesellokomotiven der Baureihe 245 für den Regionalverkehr im Allgäu.
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Fernsteuerung stößt Vorwärmen an

Eine neue Kommunikationstechnik erlaubt es inzwischen, die Vorwärmphase aus der Ferne zu steuern. Eine damit ausgerüstete Diesellok bekommt per GSM-Mobilfunkverbindung die nächste Einsatzzeit und rechnet sich aus, wie lange sie braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen.

Die jeweiligen Einsätze der Dieselloks werden über das vorhandene Dispositionssystem „Cargo Disposition Fahrzeuge“ (CDIF) gesteuert. Darin sind alle Loks mit ihren Einsatz- und Standzeiten aufgeführt. Das System weiß, wo jede Lok steht, wann der nächste Auftrag folgt und wann längere Pausen geplant sind.

Disposition und Fernsteuerung miteinander verbunden

Um die Fernsteuerung effektiv einzusetzen, ist es erforderlich, beide Systeme zusammenzuführen. Das Dispositionssystem bestimmt, wann welche Lok einsatzbereit sein muss. Nun musste es noch mit der Fernsteuerung verbunden werden. Wenn das Dispositionssystem der Lok den nächsten Einsatztermin mitteilt, wird die Vorwärmanlage des Fahrzeugs rechtzeitig aktiviert, und die Lok ist zum richtigen Zeitpunkt einsatzbereit – nicht früher und nicht später.

Nach gemeinsamer Entwurfsphase mit dem Kunden konnte DB Systel in nur knapp drei Monaten die benötigten Schnittstellen implementieren und einführen. Seit April 2015 läuft diese Schnittstelle, an der anfangs nur 15 Fahrzeuge beteiligt waren. Inzwischen sind mehr als 220 Loks mit der neuen Kommunikationstechnologie ausgestattet. Noch in diesem Jahr sollen etwa 450 Dieselloks von DB Cargo mit dem neuen System arbeiten.

Einsparung von Dieselkraftstoff und Verringerung von Emissionen

Durch die Integration der Systeme lassen sich erhebliche Kosten sparen. In der Endausbaustufe wird der Kunde DB Cargo dank dieses einfachen Kniffs pro Jahr etwa eine halbe Million Liter weniger Dieselkraftstoff verbrauchen. Durch eine kürzere Laufzeit der Vorwärmaggregate werden außerdem die Wartungsintervalle verlängert und der Verschleiß reduziert, was weitere Einsparungen nach sich zieht.

Das Zusammenführen der Systeme hat aber nicht nur unmittelbare finanzielle Auswirkungen. Auch der Ausstoß schädlicher CO2-Abgase wird vermindert. Damit ist ein weiterer wichtiger Plan leichter umzusetzen: Der Konzern kommt seinem Ziel näher, im Zuge der Strategie „DB 2020“ die spezifischen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 weltweit um 20 Prozent – im Vergleich zu 2006 – zu senken.

So lässt sich mit einer einfachen und schnellen Lösung, der intelligenten Zusammenführung eines bestehenden Systems mit einer neuen Technik, erheblich Geld sparen – und die Umwelt profitiert auch davon.