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Digitalisierung im Güterverkehr

Verlässliche Transportketten jetzt international buchen

09/2017 – Mit der Produktionsallianz Xrail rückt Europa noch enger zusammen: Der internationale Schienengüterverkehr wird kundenfreundlicher und effizienter. DB Cargo legt mit seinem neuen Transport- und Servicekettenmanagement die Grundlage für den Aufbau einer europäischen Buchungsplattform für den Einzelwagenladungsverkehr.

Die europäischen Güterbahnen transportieren Einzelwagenladungsverkehre bisher überwiegend nach dem sogenannten „First In – First Out“-Prinzip. Dadurch werden die Wagen oft sehr kurzfristig von einer Güterbahn an die nächste übergeben. Das Ergebnis sind häufig ungeplante Auslastungsspitzen und schwankende Transportdauern, die insbesondere für die Kunden nachteilig sind. „Die Prozesse sind international wenig optimiert und abgestimmt“, sagt Guido Adolphi. Er ist bei DB Cargo verantwortlich für die Anbindung an die Produktionsallianz Xrail, die den internationalen Schienengüterverkehr optimieren soll. „Zurzeit findet keine länderübergreifende Prüfung von Transportkapazitäten statt. Künftig erfolgt dies vollständig digitalisiert.“

Der Grundstein dafür ist Xrail, eine Produktionsallianz bestehend aus den sechs europäischen Schienengüterverkehrsbahnen DB Cargo (Deutschland), Rail Cargo Group (Österreich), CFL Cargo (Luxemburg), Green Cargo (Schweden), LINEAS (Belgien) und SBB Cargo (Schweiz). Mit der gemeinsamen Kapazitätsbuchungsinitiative „Xrail Capacity Booking“ (XCB) wollen alle Xrail-Bahnen untereinander einen nahtlosen, transparenten und zuverlässigen internationalen Wagenladungsverkehr ermöglichen. Dafür führen die Allianzmitglieder kapazitätsgesteuerte nationale Netzwerke ein, die über Xrail miteinander verbunden werden. Wesentlicher Baustein bei DB Cargo zur Anbindung an Xrail ist dazu das gemeinsam mit dem technischen Partner DB Systel neu entwickelte System „Transport- und Servicekettenmanagement“ (TSM).

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Wir reden von einem Industry Change.

Guido Adolphi, DB Cargo

Auch künftig steuert jede Güterbahn national die Kapazitäten im jeweils eigenen Netzwerk. Kommt es allerdings zu einer Buchungsanfrage für einen Transport zwischen den Xrail-Bahnen, prüft der zentrale Xrail-Broker automatisiert die benötigten Kapazitäten über alle verbundenen und am Transport beteiligten Netzwerke. Der Xrail-Broker verbindet über modernste Webservices die Kapazitätsmanagementsysteme aller Mitglieder der Allianz, ohne über eigene Kapazitätsdatenbanken zu verfügen. Das greift tief in die Geschäftslogik und in nahezu alle Ebenen des Geschäftsmodells von DB Cargo ein, sowohl fachlich als auch technisch. „Wir reden von einem Industry Change. Was wir mit Xrail machen, ist nichts Geringeres, als eine Buchungsplattform für den Einzelwagenverkehr in Europa einzuführen, vergleichbar zur Star Alliance, wo Flüge online über mehrere internationale Fluggesellschaften hinweg in einem Schritt gebucht werden können“, sagt Guido Adolphi und ergänzt: „Wir bieten dem Kunden damit zukünftig mehr Informationen und Verlässlichkeit.“

Video Xrail – Kapazitätsmanagement
© Xrail S.A.

Bei der Buchung selbst wird sich für den Kunden wenig ändern. Doch unter der Haube kann man getrost von einer Revolution sprechen: Bei einer Buchungsanfrage für einen Transport, an dem mehrere Allianzmitglieder beteiligt sind, werden mittels sekundenschneller Abfragen und der Kombination nationaler, kapazitätsgeprüfter Transportpläne durchgehend buchbare internationale Transportketten ermittelt. Nach Abschluss der Buchung erhalten alle am Transport beteiligten Allianzmitglieder eine Buchungsbestätigung inklusive der geschätzten Ankunftszeit im Ausland. „Unterm Strich wird sich damit nichts an der Buchungsgeschwindigkeit für den Kunden ändern. Die Qualität der Aussage in Bezug auf die Ankunftsprognose, die dahintersteht, wird im eingeschwungenen Zustand des Xrail-Netzwerks erhöht“, sagt Mathias Back von DB Systel.

Wichtiger Meilenstein

Seit 2015 setzt die DB Systel Software aus Teilprojekten des Großprojekts KAPA-Xrail um und hat dafür agile Arbeitsmethoden eingeführt. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir einen großen Teil der Projekte sukzessive in die agile Arbeitsweise überführen werden“, sagt Mathias Back. So wird bei der Umsetzung von TSM die Flexibilität und das Reaktionsvermögen auf sich verändernde Marktsituationen im Vergleich zu klassischen Methoden deutlich erhöht. Vor allem ermöglicht es kurze, iterative Lieferzyklen von Teilfunktionalitäten und stellt eine kontinuierliche Lieferfähigkeit sicher.

Die dafür notwendigen, hochmodernen Bausteine wurden von DB Systel ausgewählt: Die Entwicklung und Integration von TSM in die bestehende Systemlandschaft der DB Cargo wird im Rahmen des Software-Entwicklungsframeworks SAFe (Scaled Agile Framework) sichergestellt. Für die effiziente Bereitstellung der Software in allen Umgebungen von Entwicklung über Test bis Produktion wird die Virtualisierungssoftware „Docker“ verwendet. Diese stellt plattformunabhängige Entwicklungscontainer zur Verfügung. Zudem wurde eine Liefer-Pipeline aufgebaut, die in ihrer Endausbaustufe alle Schritte einer Inbetriebnahme auf den verschiedenen Umgebungen, von Test bis hin zur Produktion, automatisiert. Mit der Entscheidung für den Betrieb in der AWS Cloud gehen viele Vorteile einher: von der Skalierung, der hohen Verfügbarkeit bis hin zum „Pay per Use“-Bezahlmodell, das die Kosten für die Nutzung paralleler Testumgebungen für die DB Cargo gering hält. „Wir haben für verschiedene Set-ups unterschiedliche Entwicklungs- und Testumgebungen, die aber im Grunde nur für einen gewissen Zeitraum benötigt werden“, erklärt Mathias Back. „Das ergibt die Möglichkeit, sehr schnell zwischen Konfigurationen zu wechseln.“ Vor allem erlaubt es eine unmittelbare Skalierung der notwendigen Umgebungen.

Bereits im Juni wurde das erste Paket des Systems TSM ausgerollt. Dadurch ist in der sich anschließenden Pilotphase die Buchung von sogenannten Komplettaufträgen im Einzelwagenverkehr zwischen der DB Cargo und der österreichischen Schienengüterverkehrsbahn Rail Cargo Group möglich. „Wir können in einem ersten Schritt ausgewählte Verkehre von Deutschland nach Österreich buchen und haben damit durchgängig kapazitätsgeprüfte Transportpläne zwischen beiden Ländern“, sagt Guido Adolphi. Ein wichtiger Meilenstein für die Harmonisierung des internationalen Schienengüterverkehrs. Mit dem nächsten Lieferpaket wird es dann noch in diesem Jahr möglich sein, auch die Gegenrichtung zu buchen. Weitere Xrail-Bahnen und Verkehre werden schrittweise hinzugenommen.

Bis Ende 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein. Dann wird DB Cargo internationale Einzelwagenverkehre mit allen Xrail-Bahnen buchen und kapazitätsgeprüft durchführen können.