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Rail in Motion: zukunftsfähig?

Wagenreihungen einfach mit dem Tablet übermitteln

11/2017 – Mit der Anwendung Rail in Motion setzte die Deutsche Bahn vor fünf Jahren ein Zeichen: Lokführer benötigten fortan keine Papierstapel mehr im Führerstand. Seitdem wurde die App durch zahlreiche weitere Neuerungen wie die Digitalisierung der tagesaktuellen Langsamfahrstellen erweitert. Auch zukünftig wird es Modifikationen geben.

Aus dem Bedarf, verschiedene Prozesse und Papierberge zu digitalisieren, erwuchs die Idee zu Rail in Motion, kurz RiM. RiM ist die mobile Lösung auf einem Tablet, die es den Nutzern ermöglicht, via Apps auf diverse Hintergrundsysteme zuzugreifen, die für den jeweiligen Arbeitsalltag bei der DB benötigt werden. Vor RiM mussten sämtliche Informationen zu neuen Baustellen, in denen Vorsicht geboten ist, und jeder Menge Sicherheitsanweisungen, die befolgt werden müssen, erst einmal zusammengesucht werden. Aber nicht nur der Einsatz von weniger Papier, sondern auch übersichtlichere und verbesserte Arbeitsabläufe sind Vorteile von RiM. Im Mittelpunkt steht der Anwender, der mithilfe seines neuen Tablets entlastet werden soll.

Seit der Einführung von Rail in Motion hat sich einiges getan. In den Jahren 2016 und 2017 standen die Steigerung der Kundenzufriedenheit sowie die qualitative Verbesserung der gesamten Plattform und der Applikationen im Vordergrund. RiM wird inzwischen von rund 18.000 Nutzern in über 25 Anwendergruppen eingesetzt. Davon befinden sich allein bei DB Cargo etwa 4.500 in Deutschland und 2.600 Nutzer in neun Ländern des europäischen Auslands. Über die Applikation werden Fahrpläne, Formulare und Einsatzpläne in elektronischer Form zur Verfügung gestellt. So müssen die Triebfahrzeugführer nicht nur weniger Papiermassen mit sich führen, sie haben auch eine bessere Übersicht über alles. Es werden aber nicht nur Informationen an die Mitarbeiter weitergegeben, sondern auch interne Prozesse etwa von DB Cargo oder DB Fernverkehr vereinfacht. Die Verteilung von Weisungen und deren Bestätigung innerhalb der App haben den Arbeitsalltag enorm erleichtert.

Für 2018 ist der Ausbau des Nutzerkreises sowie die App-Weiterentwicklung geplant. So konnte die DB Systel neben DB Cargo und DB Fernverkehr weitere Kunden im Konzern für Rail in Motion gewinnen.

Neue Funktionen der Applikation

Im Gespräch mit dem Projektleiter Mobile Kommunikation der DB Cargo, Thomas Madalinski, und dem Portfolio Manager Mobile der DB Systel, Guido Kissner, wurde deutlich, welche Neuerungen eingearbeitet wurden und wie sich die Zukunft von RiM gestaltet. Die größte und wichtigste Neuerung ist die Digitalisierung der Tages-La. Dies sind tagesaktuelle Langsamfahrstellen, die täglich aktualisiert und dringend beachtet werden müssen. Dieses betrieblich wichtige Thema sah vor der elektronischen Verfügbarkeit anders aus: Die Lokführer mussten vor Dienstbeginn bis zu fünf sogenannte La-Hefte abholen, die bis zu 180 Seiten umfassen konnten. Zuvor mussten diese Daten weit im Voraus aktualisiert und an eine Druckerei gesendet werden, um alles auf den neuesten Stand zu bringen. Die elektronische Verfügbarkeit stellt demnach eine wesentliche Verbesserung dar.

Weitere Funktionen sind das RiM-Reporting, in dem die ordnungsgemäße Bestätigung von Weisungen angezeigt werden kann, sowie die Einbettung spezifischer Sicherheitsanforderungen der Kunden. So haben insbesondere DB Cargo und DB Fernverkehr erfolgreich diverse Regelwerke integrieren können. Zusätzlich werden immer neue Drittanwendungen an Rail in Motion angeschlossen. So ist es den RiM-Nutzern der DB Cargo inzwischen möglich, Schadmeldungen über die integrierte App „ESM“ sofort elektronisch weiterzuleiten.

Rail in Motion in Aktion: der digitalisierte Einsatzplan eines Triebfahrzeugführers.

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Technische Raffinesse

Im Vergleich zum Stand vor zwei Jahren müssen im RiM-Menü keine temporären Daten mehr gelöscht werden, um das Gerät zu entlasten. Inzwischen wurden die Tablets gegen eine bessere Serie ausgetauscht, die flotter und zuverlässiger läuft. Jeder Triebfahrzeugführer der DB Cargo erhält heute mit dem Tablet, auf dem sich Rail in Motion befindet, eine Power Bank, die die Energieversorgung während der Arbeitszeit sicherstellt. Zudem wird eine Hülle zum Tablet mitgeliefert, die sowohl wasserabweisend ist als auch durch ihre rutschfeste Oberfläche für sicheren Halt auf dem Führertisch sorgt. Das System, auf dem RiM basiert, läuft inzwischen sehr stabil. Unternehmenskritische Anwendungen, die keine Ausfälle dulden, sind außerdem georedundant – also doppelt gespeichert an unterschiedlichen Standorten – aufgestellt worden. Dies wurde im letzten Jahr nachgerüstet und garantiert die Sicherheit des Systems.

Auch die zugrundeliegende Architektur von Rail in Motion wurde angepasst. Das sogenannte Hot Deployment ermöglicht es nun, Updates des Systems oder auch neue Dokumente im laufenden Betrieb des Tablets einzuspielen. Zuvor war hierzu ein Herunterfahren der gesamten RiM-Plattform erforderlich, was zu einem vorübergehenden Nutzungsausfall führte.

Die Zukunftsfähigkeit von Rail in Motion

Bei DB Cargo wird es künftig möglich sein, die Wagenreihung direkt an RiM weiterzugeben oder Abfahrtsmeldungen zu aktualisieren. Veraltete Hardware, die dafür bisher im Einsatz war, kann infolgedessen abgelöst werden. Alle Apps lassen sich gebündelt und in nur einer einzigen Anwendung nutzen, nämlich in RiM. DB Cargo wird die Applikation vornehmlich nutzen, um die örtliche Zugbildung und Zugabfertigung zu erleichtern. Geplant sind ca. 4.500 neue Nutzer für RiM.

Außerdem ist für das nächste Jahr bei DB Fernverkehr die Einführung digitalisierter Einsatzpläne geplant, sodass alle Mitarbeiter nicht nur ihre zukünftigen Einsätze sehen und planen können, sondern ihre Arbeitszeit auch im Nachgang nachvollziehen können. Bisher müssen die Kollegen dafür am Ende des Tages einen Screenshot machen, der ihnen persönlich als Nachweis dient. Potenzial besteht außerdem in der Darstellung der Dokumentenübersicht. Noch ist es nicht möglich, die aktuellsten Meldungen und Dokumente auch an oberster Position darzustellen. So muss man teilweise länger nach den jeweiligen Unterlagen suchen.

An der Zukunftsfähigkeit von Rail in Motion arbeiten alle Beteiligten leidenschaftlich. Um das Produkt aber auch zukünftig strategisch optimal auszurichten zu können, muss die Architektur der Software den neuen Gegebenheiten einer immer schneller voranschreitenden Digitalisierung angepasst werden. Zu diesem Zweck wird das neue Standardprodukt MOVE der DB Systel ausgebaut, um auch im Zeitalter von Cloud & Co. ca. 20.000 Kollegen eine innovative und zukunftsgemäße Lösung für die Herausforderungen im Arbeitsalltag liefern zu können. Parallel wird dennoch in den weiteren Ausbau der RiM-Individualentwicklung investiert. So zeigen auch die momentan 36 Kundenanforderungen der DB Cargo deutlich, wie wichtig das System und seine zukünftig neuen Funktionalitäten sind.

Gemeinsam ans Ziel

In den letzten fünf Jahren hat sich viel an der Form der Zusammenarbeit zwischen der DB Systel und dem Kunden getan. Die Kommunikation sei deutlich besser und offener geworden. Auch an der Umsetzung der Kundenanforderungen und der Termintreue werde mit Hochdruck gearbeitet. „Natürlich besteht hier immer Verbesserungsbedarf, aber wir sind doch sehr zufrieden, wie wir wahrgenommen werden“, sagt Thomas Madalinski.

Insgesamt hat RiM die DB im Zuge der Digitalisierung deutlich vorangebracht. Viele Arbeitsprozesse und -abläufe wurden vereinfacht, die Übersichtlichkeit verbessert und die Mitarbeiter entlastet. Das erfolgreiche System Rail in Motion wird kontinuierlich weiterentwickelt, um auch zukünftig zu Verbesserungen im Arbeitsalltag der Triebfahrzeugführer und des Bordservice sowie – ab April 2018 – der Lokrangierführer, Wagenmeister und Rangierer beizutragen.