DUSS Terminal Duisburg-Ruhrort Hafen ist eines der wichtigstes Drehscheiben im nationalen und internationalen Kombinierten Verkehr in Deutschland, Diesellok Baureihe 294 beim rangieren.
Deutsche Bahn AG

Innovative Arbeitsmethoden

Wie der Agile Release Train den Güterverkehr anschiebt

07/2016 - Kürzere Release-Zyklen, schnelles Feedback der Anwender, Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Business und IT – dies sind die Anforderungen der DB Cargo an eine zukunftsfähige Software-Entwicklung. Diese umzusetzen erfordert innovative Arbeitsmethoden. DB Systel setzt gemeinsam mit dem Kunden daher in einem Großprojekt auf agile Prozesse, in deren Mittelpunkt der Agile Release Train steht.

Bei DB Cargo stand auf der Business-Seite ein Kulturwandel bei der Software-Entwicklung an. Das alte Wasserfallprinzip sollte durch die innovativen Methoden der agilen Entwicklung abgelöst werden. Getrieben wurde die Umstellung von DB Cargo und von DB Systel gemeinsam, sagt Andreas Lazar, der bei DB Systel für die Software-Realisierung in diesem Umfeld zuständig ist. Beide hätten zeitgleich die Vorteile erkannt und den Änderungsbedarf festgestellt.

Agilität skalierbar machen

Umgesetzt wurde die neue Arbeitsmethode in Rekordzeit, zunächst im Projekt „KAPA-Xrail“ der Initiative „Logistics 4.0“ bei DB Cargo. Nach der gemeinsamen Initiierung im Frühjahr 2015 starteten erste Teams ab August 2015. Beim Scaled Agile Framework, kurz SAFe, werden verschiedene agile Arbeitsmethoden bei der Software-Entwicklung kombiniert und Agilität auch für große Vorhaben mit vielen Teams ermöglicht. Wichtig ist die gemeinsame Arbeit mit dem Kunden in den agilen Teams. Sie bestehen aus neun bis 15 Personen und werden bis zu einem Drittel vom Kunden und zu zwei Dritteln von DB Systel besetzt.

Andreas Lazar (DB Systel GmbH)
Andreas Lazar (DB Systel GmbH)
© Deutsche Bahn AG

In den bisher vier Teams arbeiten Experten mit den verschiedensten Rollen zusammen: vom Entwickler über Tester, Business-Analysten und „Scrum Master“ bis zum „Product Owner“, der als fachlicher Ansprechpartner im Team die umzusetzenden Aufgaben priorisiert und freigibt. Durch die hohe Transparenz in den Teams sei es gelungen, Ergebnisse wesentlich schneller sichtbar und direkt für den Kunden nutzbar zu machen, sagt Lazar.

Software nach Fahrplan

Von zentraler Bedeutung ist dabei der sogenannte Agile Release Train (ART), ein Bestandteil der SAFe-Methodik. Den ART kann man sich als einen Zug vorstellen mit einer festen Besatzung, den selbst organisierten Teams. Diese bilden innerhalb des Zugs eine virtuelle Organisation und produzieren während der Fahrt quasi im Gleichschritt Software. Wie bei einem Zug werden die Software-Pakete von allen Teams nach Fahrplan im gleichen Rhythmus erstellt und an der Station abgegeben. Spätestens alle drei Monate liefern die verschiedenen Teams dann synchronisiert neue Bausteine ab. Diese Bausteine sind so geschnitten, dass sie direkt produktiv gesetzt werden können. Falls dies beispielsweise aus organisatorischen Gründen nicht gewünscht ist, können auch mehrere Release-Durchläufe erfolgen, bevor eine Produktivsetzung erfolgt. In jedem Fall entsteht alle drei Monate ein Release mit sinnvoller Funktionalität, die durch den Kunden getestet und freigegeben ist. In der konkreten Umsetzung im Projekt KAPA Xrail soll das im März 2017 abgeschlossene Release produktiv gesetzt werden.

Software-Entwicklung mit dem Agile Release Train

Eine wichtige Rolle nimmt dabei der sogenannte Release Train Engineer ein. Er koordiniert die Arbeiten zwischen den Teams an Bord und den Parteien außerhalb des Release Trains, bereitet die übergreifenden Meetings vor und moderiert sie. Der Release Train Engineer ist der zentrale Ansprechpartner zu Fragen des Status und der Fortschrittsverfolgung. Damit ist er für die erfolgreiche Fahrt des Trains und das Erreichen der Stationen, den Releases, verantwortlich.

Durch die gemeinsame Arbeit mit den Kunden in den Teams werden auch Fehler vermieden, die beispielsweise durch Missverständnisse entstehen könnten. „Der Product Owner agiert gemeinsam mit dem Team, dadurch wird die Qualität der Software verbessert“, sagt Lazar. „Und der Kunde realisiert frühzeitig den Geschäftswert“, ergänzt er. Somit würden die Erfolge für alle rascher spürbar.

Kapazitätsgesteuertes Netzwerk macht DB Cargo zuverlässiger

Das ist beispielsweise bei der Einführung des kapazitätsgesteuerten Netzwerks im Schienengüterverkehr der Fall. DB Cargo will durch veränderte Prozesse und neue IT-Verfahren sicherstellen, dass Sendungen im Einzelwagennetzwerk vor Beginn der Beförderung durch den Kunden gebucht werden. Der Kunde bekommt dafür anders als bisher den voraussichtlichen Empfangszeitpunkt seiner Sendung mitgeteilt. Das kapazitätsgesteuerte Netzwerk verbessert die Zuverlässigkeit gegenüber dem Kunden und erhöht damit die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Lkw. Dafür muss die Entwicklung der Software an die modernen Anforderungen angepasst werden.

„Die gemeinsame Sichtweise in den gemischten Teams hat zu optimierten Lösungen geführt“, sagt Michael Stoll, der das Thema bei DB Systel kommerziell verantwortet. Bei herkömmlichen Methoden der Software-Entwicklung wäre der Erfolg nicht so schnell messbar gewesen. In Sprints von zwei Wochen innerhalb eines Releases würde schnell sichtbar, ob Schwierigkeiten auftreten. Dann werde innerhalb der Teams sofort gegengesteuert, sagt er weiter.

Übertragbares Erfolgsmodell

Auch beim Kunden kommt die Umstellung gut an. „SAFe und die agile Arbeitsweise ermöglichen uns die schrittweise Umsetzung von komplexen IT-Projekten. Dadurch heben wir früher als bisher einen ersten Geschäftsnutzen“, sagt Dominik Fürste, der bei DB Cargo das Projekt KAPA-Xrail leitet.

Das Erfolgsmodell lässt sich auch auf andere Projekte übertragen. Für die Digitalisierung des Konzerns sind die neuen Praktiken in der Entwicklung unabdingbar. Die beste Werbung für das Modell würden die Mitglieder der Teams selbst machen. „Ich würde sagen, dass die SAFe-Methode mit den synchron arbeitenden Teams auf jeden Fall für Großprojekte die richtige ist“, sagt Lazar. Es gebe bereits Anfragen aus anderen Bereichen. Viele Kollegen sind an einem Erfahrungsaustausch interessiert.