Wie ein modernes Tablet den Reisenden mehr Service bietet.
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Neu entwickeltes Mobiles Terminal

Wie ein modernes Tablet den Reisenden mehr Service bietet

03/2016 - Das neue Mobile Terminal MTx ist im Vergleich zum Vorgänger ein technischer Quantensprung. Das Terminal ist Ergebnis der engen Zusammenarbeit im Projekt und begeistert den Auftraggeber DB Vertrieb, die Anwender und die Reisenden.

Das neue mobile Terminal MTx
Das neue mobile Terminal MTx
© Deutsche Bahn AG

Bis vor einigen Monaten war Annette Etschmaier mitunter mitleidige Blicke von Reisenden gewohnt. Bis dahin nutzte die Kundenbetreuerin im Nahverkehr (KiN) das Mobile Terminal MT2, um Fahrkarten zu kontrollieren oder zu verkaufen. Doch das Gerät aus dem Jahr 2006 war den aktuellen Anforderungen seitens der Anwender und der Technik nicht mehr gewachsen. Oft kam es vor, dass sie vor den Kunden stand und es gefühlt ewig dauerte, bis ein Onlineticket eingescannt war. „Da gab es manchmal genervte Reaktionen“, sagt Etschmaier. Manchmal machte auch der Akku schlapp, obwohl das Gerät die ganze Nacht am Ladekabel hing.

Annette Etschmaier, Kundenbetreuerin im Nahverkehr
© Deutsche Bahn AG

Zum Glück sind diese Zeiten inzwischen vorbei. Etschmaier nutzt seit einiger Zeit wie die meisten ihrer Kollegen das neue Mobile Terminal MTx. „Jetzt geht alles richtig schnell“, sagt die Kundenbetreuerin. Mit dem neuen Gerät kann sie Tickets schneller einlesen und Kunden in Echtzeit informieren. Die integrierte Multi-App erlaubt den Kundenbetreuern einen schnelleren Zugriff auf einzelne Arbeitsbereiche. Tickets können jetzt zügiger kontrolliert und verkauft werden. Zusätzlich ermöglicht dieses Multifunktionsgerät die einfache Abfrage und Weitergabe von Informationen an den Fahrgast in Echtzeit, dank Onlinefähigkeit und integriertem DB Navigator. Die Frage nach Anschlusszügen oder der aktualisierten Bereitstellung von persönlichen Reiseplänen kann somit unmittelbar beantwortet werden, was für eine gesteigerte Kundenzufriedenheit sorgt.

„Einige Kunden haben gemerkt, dass wir neue Geräte nutzen, und reagierten sehr positiv“, sagt sie. Nicht nur wegen der Optik, sondern auch wegen der vielen neuen Funktionen. „Jetzt kann ich ganz einfach über die App aktuelle Fahrplanauskünfte geben“, sagt Etschmaier. Früher musste sie dafür immer das Fahrtbuch bemühen.

Vom Käfer in den Golf GTI

Ein weiterer Vorteil des neuen Geräts für die Mitarbeiter: Früher mussten sie für die Aktualisierung der Software oder die tägliche Abrechnung zu einer Abrechnungsstelle fahren. Dort wurde das Gerät aktualisiert und die Daten wurden übertragen. Vor Schichtende war der Gang zur Abrechnungsstelle Pflicht. Das entfällt mit dem neuen MTx.

Annette Etschmaier jedenfalls ist über das Gerät glücklich. „Es kommt mir vor, als wäre ich von einem VW Käfer auf einen Golf GTI umgestiegen“, sagt sie. Das neue Gerät entspreche in der Präsentation auch mehr dem Bild eines innovativen, modernen Unternehmens. Und das würde der Kunde anerkennen.

Knut Jäger gehört zu DB Systels IT-Experten im MTx-Projektteam, die Annette Etschmaier und den anderen Zugbegleitern und Kundenbetreuern das Leben erleichtert haben. „Die Entwicklung war harte Arbeit“, erinnert sich der Senior-Projektleiter. Für die besonderen Anforderungen konnte kein Gerät von der Stange genommen werden. Stattdessen mussten Hard- und Software aufeinander abgestimmt werden.“

Bei der Entwicklung wurde auch mit externen Partnern zusammengearbeitet. „Wir waren bis zur Einführung in engem Kontakt auch mit dem Hersteller“, sagt Jäger. Bei der Gestaltung der Nutzeroberfläche ist das Projektteam stark auf die Anforderungen und Wünsche der Nutzer eingegangen. „Wir haben uns ganz viel Feedback geholt“, sagt Jäger. Die Ideen der Zugbegleiter und Kundenbetreuer sind in den laufenden Entwicklungsprozess mit eingeflossen.

Neuester Stand der Technik

„Bei den Hardware-Spezifikationen wurde darauf geachtet, dass das Gerät auf dem neuesten technischen Stand ist“, sagt Jäger. Der Aufwand hat sich gelohnt. In dem Tablet mit sieben Zoll großem Display ist die neueste Mobilfunktechnik LTE verbaut. Außerdem hat das neue Mobile Terminal WLAN und Bluetooth integriert. Zudem verfügt es über einen Scanner zur Kontrolle von Fahrberechtigungen mittels Barcode und einen NFC-Chip für die Kontrolle von eTickets. Ein klassisches Einschubfach für EC- und Kreditkarten gibt es außerdem noch.

Dabei wurde noch ein weiteres Ärgernis eliminiert: Der Akku hält jetzt deutlich länger. Es ist nicht mehr nötig, Ersatzakkus mitzuschleppen. Um die Laufzeit zu verbessern, wurden unter anderem unnötige Hintergrundprozesse verbannt.

Überhaupt ging das Projekt neue Wege bei der Software. „Die Entwickler haben eine deutschlandweit wohl einzigartige Lösung auf Android-Basis entwickelt“, sagt Jäger. Zwar sieht die Software für den Anwender wie eine einzige App aus, tatsächlich laufen aber mehrere kleine Apps darunter. Diese Multi-App war nötig, da die einzelnen Apps technischen Beschränkungen unterliegen, aber auch um die Leistung der Hardware optimal zu nutzen.

Der große Vorteil dieser Vorgehensweise: Weitere Apps können je nach Anforderung und Bedarf einfach integriert werden. Derzeit wird an der Integration von „Dritt-Apps“ gearbeitet. Auch vorhandene Apps können ohne viel Aufwand integriert werden.

Mit der Integration des DB Navigators stehen jetzt beispielsweise jederzeit aktuelle Informationen zu den Fahrplänen zur Verfügung. Damit können Kundenanfragen schnell, unkompliziert und in Echtzeit beantwortet werden.

Bis Ende März werden 12.400 MTx ausgerollt sein. Dann werden alle Altgeräte aus den Zügen verschwunden sein – und die Zugbegleiter und Kundenbetreuer können sich über die positiven Reaktionen der Passagiere freuen.

Kleine Zeitreise: MT-Geräte im Wandel