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Start-up im Konzern

ZERO.ONE.DATA – Big Data für alle

06/2016 - ZERO.ONE.DATA ist das erste Start-up der DB Systel und will neue Wege im Big-Data-Dschungel gehen. Dazu durchbricht es feste Konzernstrukturen und fordert alle anderen heraus: zum Querdenken und Mitmachen bei einer neuen Kultur des Datenaustauschs und der Datennutzung.

Wenn man verstehen möchte, was das kleine Start-up ZERO.ONE.DATA (ZOD) von anderen Unternehmen des Bahnkonzerns unterscheidet, lohnt ein Blick in die Ideenschmiede des Teams. In dem Büro im 27. Stock des Frankfurter Silberturms erinnert nichts an die nüchterne Arbeitswelt eines der großen Player des Landes. Gäbe es in dem Raum eine Tapete, man würde sie nicht erkennen. Überall kleben Merkzettel, Notizen, Pläne. ZERO.ONE.DATA arbeitet anders; so wie ein Start-up das eben macht.

Und wie es sich für ein junges Team gehört, wird hier auch ein Buzzword der letzten Jahre ganz großgeschrieben: Big Data. Datenberge, die für Normalsterbliche auf den ersten Blick langweilig scheinen, sind hier das Futter für spannende Projekte. „Bei uns arbeiten recht neugierige Menschen.“ Teamleiter Dr. Lars Freund kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wobei, Teamleiter – den Begriff mag er nicht so gern. Klar müsse einer die Fäden in der Hand halten. „Wir vertrauen uns aber gegenseitig. Wir haben ein Vieraugenprinzip. Wenn zwei aus dem Team glauben, eine Entscheidung treffen zu können, dann ist das okay.“ Abstimmungen in großen Runden gibt es nur, wenn sie unbedingt notwendig sind.

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Wir erarbeiten keine langen Konzepte im Vorhinein. Wir haben auch keine Strategiepapiere in der Schublade. Dafür sind wir einfach noch zu jung. Unsere Arbeit basiert auf dem Prinzip Versuch und Irrtum

Dr. Lars Freund (DB Systel GmbH)

Der Arbeitsalltag bei ZERO.ONE.DATA sieht einfach anders aus. Das Team versucht, mit möglichst wenig Querschnittsfunktionen auszukommen. Zwischengeschaltete Einheiten wie Portfolio-Management, Business Development und Trennung von Vertriebsteam und Liefereinheit gibt es nicht. Denn weil das Team nur rund 15 Personen umfasst, muss jeder direkt an der Wertschöpfung mitwirken, also dem Einholen, der Analyse oder der Aufbereitung von Daten. Agiles Projektmanagement und schlanke Prozesse sind dabei der Schlüssel – wie in einem richtigen Start-up eben.

Große Verantwortung im kleinen Team

ZERO.ONE.DATA hat Freiheiten, um die sie andere Kollegen beneiden dürften. Wo der Konzern in der Regel langfristige Strategien anlegen muss und so Vorlaufzeiten produziert, kann die schlagkräftige Einheit anders arbeiten, weil es eine Ende-zu-Ende-Verantwortung für die Themen gibt. ZOD entscheidet also direkt, was dem Kunden Erfolg bringen kann, und probiert es aus. „Wir erarbeiten keine langen Konzepte im Vorhinein. Wir haben auch keine Strategiepapiere in der Schublade. Dafür sind wir einfach noch zu jung. Unsere Arbeit basiert auf dem Prinzip Versuch und Irrtum“, erklärt Freund. Und dies sei bei der Datenanalyse das einzig richtige Vorgehen: „Nur so arbeitet man wirklich ergebnisoffen und kostengünstig und schließt keine Analyseresultate von vornherein aus. Denn oftmals sieht man erst beim Blick in die Daten, ob ein Schatz drin verborgen ist.“

Ein weiterer Unterschied zur Arbeit normaler DB Systel-Abteilungen: Das Start-up geht für potenzielle Kunden in Vorleistung. Eine Möglichkeit, die klassischen Operationseinheiten oft verwehrt ist, da dort häufig andere Kennzahlen zur Steuerung herangezogen werden.

In einer agilen Vorgehensweise werden kleinste funktionierende Produkte, die Minimum Viable Products (MVP), erarbeitet. Im Fall von ZOD sind das Analysestrukturen oder auch -Algorithmen. MVPs sind schnörkellos und haben zunächst gerade so viele Funktionen wie unbedingt nötig. Auf dieser Basis kann man dann das Analysevorgehen testen und weiterentwickeln. Das ist eine typische Start-up-Methode, da ein MVP-Test in der Regel deutlich günstiger ist als die Vorabentwicklung eines komplexen Produkts. Wenn ein Lösungsansatz ins Leere läuft, wird er verworfen, und das Team überlegt sich eine neue Herangehensweise. Keine bürokratischen Schranken. Kein Zeitverzug. Effektiv und nah am Kunden wird gearbeitet.

Big Data all inclusive

Dabei ist die unkomplizierte Herangehensweise nur der erste Teil des ZOD-Vorgehens. Big Data ist ein spannendes Feld, in dem man sich aber schnell verrennen kann, da die Menge der verfügbaren Daten mittlerweile kaum noch überschaubar ist. Eine wesentliche Aufgabe von ZOD ist es daher, die Kunden zu beraten und Empfehlungen zum Analysevorgehen auszusprechen.

Portfolio von ZERO.ONE.DATA (ZOD)

Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, lohnt es sich, das Portfolio von ZOD einmal genauer anzuschauen. Es umfasst drei Bereiche, in denen ZOD diverse Leistungen anbietet:

  1. Infrastructure as a Service (IaaS): ZOD stellt die Umgebung (sogenannter Hadoop-Speicher) für eine sichere Aufbewahrung der Daten. Dabei richtet sich ZOD nach den Datenschutzrichtlinien des DB Konzerns. Momentan wird das System im Berliner Rechenzentrum der DB Systel betrieben, parallel dazu evaluiert ZOD gerade eine Cloud-basierte Variante der Datenspeicherung. Darüber hinaus hat ZOD gemeinsam mit der Initiative Infrastruktur 4.0 die kostenfreie databox ins Leben gerufen. Sie dient als Austauschplattform und virtuelles Schaufenster für die bereitgestellten Daten der Bahn-Gesellschaften.
  1. Platform as a Service (PaaS): ZOD stellt eine voll funktionsfähige Big-Data-Analytics-Umgebung bereit: ein spezielles IT-System, das als Toolbox für die Analyse von Daten verstanden werden kann. Auf dieser Plattform können Kunden sowohl eigenständig arbeiten als auch die Dienstleistungen von ZOD in Anspruch nehmen. Das Basisleistungspaket umfasst freie oder kostengünstige Anwendungen. Bei Bedarf können aber auch High-End-Software-Lösungen mit komplexen Analysefunktionen angeboten werden.
  1. Consulting: Die eigentliche Wertschöpfung findet über kundenspezifische Anwendungen statt, durch die die Daten zielgerichtet genutzt werden können. ZOD erstellt gemeinsam mit den Kunden Datennutzungsstrategien, berät bei der Auswahl der richtigen Datenquellen und hilft, die notwendige Datenqualität sicherzustellen. Zusammen mit den Fachexperten des Kunden entwickelt ZOD die passenden mathematischen Modelle und realisiert die Umsetzung. Darüber hinaus werden die Daten und ihre Analyseergebnisse visuell aufbereitet und dem Kunden zur Verfügung gestellt.

Wenn Sie von Ihrem Endgerät aus über Intranetzugang verfügen, so gelangen Sie hier direkt zur ZOD-Website mit weiteren Details.

Hellseherische Hausmeister

Gemeinsam mit DB Energie hat ZOD in einem Design-Thinking-Prozess  mit unterschiedlichen Abteilungen und externen Experten zusammengearbeitet und identifiziert, wo Möglichkeiten der Prozessoptimierung und der Kosteneinsparung liegen. Die Aufgabe von ZOD ist eben nicht nur die Analyse von Daten, sondern auch die Beratung der Partner und die gemeinsame Strategieentwicklung.

Dr. Stefan Manke (DB Energie GmbH)
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Im Fall von DB Energie konnte zum Beispiel herausgefunden werden, dass es bei Umspannanlagen zu teuren und teils unnötigen Wartungen kommt. Dem konnte man bisher schlecht vorgreifen, denn den elektrischen Teilen merkt man Verschleiß oft nicht an. Die Datenexperten fanden aber heraus, dass man den Alterungsprozess bestimmter Isolieröle über spezielle Sensoren feststellen kann – ein möglicher Durchbruch. Im nächsten Schritt wird nun analysiert, wie eine Rundumausstattung mit Sensoren dabei hilft, Wartungsarbeiten genauer zu takten und so effizienter zu machen.

Außerdem untersuchte man Optimierungsmöglichkeiten beim Energieeinkauf und im Kundenservice. Dr. Stefan Manke von DB Energie zeigte sich zufrieden. Zwar sei aus den Projekten bislang kein finanzieller Vorteil entstanden, man habe aber viele Potenziale identifizieren können. Außerdem förderten andere Arbeitsweisen auch neue Perspektiven: „Wir haben erstmals festgestellt, dass uns der Wert einiger Daten zuvor gar nicht bewusst war. Außerdem lagen sie nur in Papierform vor und mussten aufwendig aufbereitet werden.“

Der Schatz im Silberturm

Von der Datenexpertise soll künftig jeder Bereich der Bahn profitieren können. Einzige Voraussetzung ist die aktive Mitarbeit der Bahngesellschaften. Als Lieferanten und Übersetzer der Daten sind die Fachexperten unersetzlich, denn ohne qualitativ hochwertige Daten sitzt das ZOD-Team auf dem Trockenen. Dabei kann alles interessant sein: Wie häufig werden Züge repariert? Welche Störungen liegen vor? Vor allem Daten, die dem Endkunden einen direkten sichtbaren Nutzen bringen, sind gern gesehen. Voraussetzung ist das aber nicht. Denn einen Vorteil brachten auch die Daten zu den Isolierölen der DB Energie, aber dafür mussten der Kunde und das Team zunächst im übertragenen Sinne tief bohren.

 

Big Data Analysis - Möglichkeiten im DB-Konzern

© Deutsche Bahn AG

Aber auch das ZOD-Team muss weiter an seiner Expertise und Start-up-Kultur arbeiten: „Mit jedem Tag gewinnen wir neue Erfahrungen – hinsichtlich der Datenanalyse, Algorithmen und Synergien zwischen verschiedenen Datensätzen, aber auch hinsichtlich unseres Selbstverständnisses“, so Freund. Sein Erkenntnisgewinn: „In Start-up-Strukturen zu arbeiten heißt vor allem Eigeninitiative und Teamgeist, denn ohne das geht nichts voran.“

Um in Zukunft noch schneller voranzukommen, startete im Mai die databox, ein Portal zum Datenaustausch der Bahngesellschaften. Nach Überzeugung der Verantwortlichen können viele Bereiche Datensätze bereitstellen und von denen der anderen Gesellschaften profitieren. Bisher gab es einfach keine geeignete Plattform für die Aufbewahrung und den Austausch dieser Daten. Aber Daten sind das neue Öl. Sie bergen große Schätze und gemeinsam mit den Kunden will ZERO.ONE.DATA diese heben.