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Digitale Analyse des Fahrwegs

Auf dem Weg zum gläsernen Gleis

02/2019 – Die digitale Zustandserfassung des Fahrwegs macht wichtige Schritte vorwärts: Die neue Datenbanktechnologie SAP Business Warehouse on HANA ermöglicht die papierlose Gleismagnetinspektion. Und dabei wird es nicht bleiben.

30.000 Kilometer Schienen mitsamt Weichen und Oberleitungen zu überwachen ist eine Mammutaufgabe. Erst recht, wenn die Messungen mit 20 Jahre alten Systemen erfolgen und auf Papier erfasst werden. Um diesen Zustand zu ändern, startete vor zwei Jahren das Projekt „Integration der digitalen Zustandserfassung des Fahrwegs“ (IdZ). Das Ziel: das alte „Integrierte Inspektions System“ (IIS) abzulösen. Jetzt werden die Nutzer erste Veränderungen spüren: Papiermessschriebe ade. Und nicht nur das.

Digitale Landschaftspflege

IdZ ist ein Projekt der DB Netz und der DB Systel. Deren Digitalexperten ermöglichen unter anderem das Aufgehen des alten Systems in der SAP-Datenplattform HANA. „2017 startete das Vorhaben. Inzwischen sind erste Ergebnisse zu sehen“, sagt Marco Faber, Leiter des Solution Center Business Warehouse bei DB Systel.

Dreh- und Angelpunkt der Veränderung ist die Verlagerung von Daten in das SAP Business Warehouse HANA (BW on HANA) – das erste seiner Art bei der Deutschen Bahn. „Das Teilprojekt Migration auf BW on HANA Cloud ist sehr gut gelaufen“, weiß Daniel Pöppelmann zu berichten. Er ist Product Owner des DB Systel Teams, das sich schwerpunktmäßig mit der Big-Data-Plattform HANA beschäftigt, und Architekt des IdZ-Projekts. DB Systel analysierte gemeinsam mit DB Netz, welche IIS-Funktionalitäten, Schnittstellen und Daten in das SAP-System übernommen werden sollen, und führt die Umsetzung durch.

Ergebnis: Vor der Migration auf BW on HANA waren vier Teilsysteme nötig, jetzt nur noch drei. „Durch die HANA Technologie brauchen wir keine zwei Produktivsysteme mehr, sondern können die bisher separat gehaltene Simulation auf der Produktivumgebung zusammen mit den anderen Analyselösungen laufen lassen“, berichtet Pöppelmann. Denn Memory-Technologie und eine spaltenorientierte Datenbank-Technologie ermöglichen eine im Vergleich zum alten Datenbanksystem 30 Prozent schnellere Performance.

Kompromisslos UX-konform

Doch neben der Implementierung der neuen Business Intelligence-Datenbank stehen auch ganz praktische Verbesserungen an. Im zweiten Quartal 2019 wird die Inspektion der Gleismagnete dank IdZ deutlich besser funktional unterstützt, und es werden Systembrüche vermindert.

Mit dem Projekt IdZ steht den Mitarbeitern ein modernes IT-Werkzeug für die Gleismagnetinspektion zur Verfügung. Mit dem neuen Tool wird die Qualität verbessert, die Verarbeitung der Daten beschleunigt, und dank Integration in SAP werden alle Arbeitsschritte lückenlos in einem System durchgeführt.
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Den Workstream zur neuen Bedieneroberfläche prägen agiles Vorgehen und Methoden des klassischen Wasserfallmodells. „Damit der Kunde DB Netz schnell Ergebnisse bekam, schnitten wir die ganze Thematik in kleine Building Blocks, die parallel umsetzbar waren“, erklärt Daniel Pöppelmann. Hinzu kamen Interviews mit Stakeholdern, Teamleitern und Anwendern, viele Clickdummies und ein Testcamp. Das Ergebnis ist UX-konform: Die digitale Unterstützung der Gleismagnetinspektion ermöglicht nun endanwenderoptimierte Tools und Prozesse. Die Daten zu erfassen wird leichter. Und die digitale Revisionssicherheit erübrigt das Ausdrucken langer Papiermessschriebe.

Die neue Gleismagnetinspektion bietet eine endanwenderoptimierte Bedienoberfläche, die gemeinsam mit Stakeholdern, Teamleitern und Anwendern UX-konform umgesetzt wurde.

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Mängel beseitigen, bevor sie da sind

Bald wird HANA außerdem in der Lage sein, in den Messdaten Muster zu erkennen, die auf entstehende Defekte hindeuten – prognostische Instandhaltung mittels künstlicher Intelligenz also. „Wir legen aktuell gerade die Basis dazu an“, sagt Daniel Pöppelmann. HANA ermöglicht nämlich, alle Daten von Instandhaltungsmeldungen und -aufträgen der letzten zehn Jahre abzuspeichern und mit den aktuellen Messdaten aus den letzten fünf Jahren zu kombinieren. „Die HANA-Bibliotheken bieten KI-Methoden, auch für prädikative Instandhaltung“, weiß Pöppelmann. „Wir haben bereits die Schnittstellen implementiert und die Frontend-Lösung in Angriff genommen.“ Schon in der zweiten Jahreshälfte soll der nächste Workstream (mit Schwerpunkt Gleislagemessung) fertig sein. Keine Frage: Das Projekt IdZ wird weiter von sich reden machen.