Geschäftsleute auf einem Flughafen-Parkplatz
Credit: © Izabela Habur by Getty Images

Parken am Bahnhof

Auf dem Weg zur nahtlosen Reisekette

08/2020 – Kunden der Bahn können sich schon vor der Reise über Parkmöglichkeiten am Start- und Zielbahnhof informieren. Die Grundlage für diesen Komfort in Apps und auf Websites liefert ein Service, der über eine standardisierte Schnittstelle (API) die Daten rund um das Parken am Bahnhof für jede Anwendung im Konzern verfügbar macht.

Eine Reise mit der Bahn findet oft nicht nur in der Bahn selbst statt, sondern sie beginnt beispielsweise zunächst im Auto zum Bahnhof. Für Kunden stellt sich eine wichtige Frage: Wie sieht es vor Ort mit Parkmöglichkeiten und verfügbaren Parkplätzen aus? Eine schnelle Antwort liefert die Website ParkenAmBahnhof. Zielbahnhof und Umkreis in Kilometern eingeben reicht, und schon erscheint eine Prognose für freie Parkplätze an mehr als 5.000 Bahnhöfen und über 300.000 Stellplätzen. Dahinter steckt ein Service, der die Daten in Echtzeit zur Verfügung stellt. „Das Thema First/Last Mile ist heute sehr wichtig, um eine nahtlose Reise für die Kunden zu ermöglichen“, erklärt Marcel Pinnow, Software-Entwicklungsingenieur bei DB Systel, der das Projekt als Product Owner und IT-Verantwortlicher umgesetzt hat.

Was bedeutet eigentlich „First/Last Mile“?

Die „erste und letzte Meile“ findet in mehreren Bereichen unserer Wirtschaft Anwendung, von Hausanschlüssen (Strom, Gas oder Telekommunikation) über Lieferverkehr bis hin zu Post- oder Logistikbereichen. Im Mobilitätskontext lässt der Begriff sich wie folgt erklären:

Neben der Hauptstrecke einer Reise mit der Bahn spielt die sogenannte erste Meile bzw. letzte Meile eine wichtige Rolle im gesamten End-2-End-Prozess des Personen- und Güterverkehrs. Bei den Begriffen geht es um den Weg vom Ausgangsort der Reise bzw. des Transports (etwa Wohnadresse, Lager) zum Startpunkt des jeweiligen Verkehrsmittels (etwa Hauptbahnhof) – First Mile. Und andererseits um den Weg vom Zielpunkt des jeweiligen Verkehrsmittels (etwa Hauptbahnhof) zum eigentlichen Reise- bzw. Transportziel (Lieferadresse, Urlaubsort) – Last Mile.

Der Kunde kommt heute noch in vielen Fällen mit dem Mietwagen oder dem eigenen Auto zum Bahnhof und benötigt einen Parkplatz in der Nähe.

Wir hatten Anfragen von DB Connect aus dem Bereich Carsharing und von DB Station & Service zum Thema Parken. Daraus entstand die Idee von DB BahnPark und DB Systel, einen gemeinsamen Service als API für „Parken am Bahnhof“ zu schaffen, der dem Kunden die jeweils schnellste Möglichkeit für den Wechsel zum ÖPNV bietet.

Marcel Pinnow, Software-Entwicklungsingenieur, DB Systel

Prognosen für freie Parkplätze finden großes Interesse

Von DB BahnPark, einem Joint Venture aus DB Station & Service und Contipark, einem Parkraumanbieter, der im europäischen Raum operiert, stammt eine starke Basis an Daten über Parkinformationen, die für den Service genutzt wird. „Am Bahnhof findet oft der Wechsel des Verkehrsmittels statt. Die DB BahnPark möchte es dem Kunden möglich machen, die Alternative Bahn zu nutzen, was ökologisch vorteilhaft ist – somit helfen wir praktisch dem Kunden, sein Auto nicht zu benutzen“, erklärt Dieter Siebert, Leiter Marketing von DB BahnPark. Der Datenbestand soll künftig noch weiter ausgebaut werden, um noch mehr Anwendungsfälle bedienen zu können. „Die Herausforderung dabei: Die ganzen Daten müssen ineinandergreifen.

Detaillierte Informationen zu Parkräumen in Deutschland, insbesondere in Bahnhofsnähe (parkenambahnhof.de)

© DB BahnPark GmbH

Detaillierte Informationen zu Parkräumen in Deutschland, insbesondere in Bahnhofsnähe (parkenambahnhof.de)

© DB BahnPark GmbH

In der Zusammenarbeit zwischen DB BahnPark und DB Systel entstand im ersten Schritt das Ziel, mit diesen Daten die Verfügbarkeit der Parkplätze vorhersagen zu können. In mehr als 40 Parkräumen von DB BahnPark gibt es Livedaten. Aus diesen lassen sich Prognosen für freie Parkplätze an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit ableiten. „So können Sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob ein freier Parkplatz zu finden sein wird“, erklärt Pinnow. „Der große Vorteil, wenn man dieses Thema über Daten lösen kann, ist die Kostenersparnis. Es ist günstiger, die Frage der Verfügbarkeit digital zu beantworten als mit viel kostspieligeren Systemen in den Parkhäusern vor Ort.“ Entsprechend groß fällt das Interesse am Markt für die Prognosedaten aus. „Das Angebot zum Parken am Bahnhof ist nur die digitale Weiterführung dessen, was wir operativ schon seit zehn Jahren machen. Die Daten müssen künftig diese Lücke füllen, indem sie zum Beispiel Routingsystemen sagen, wo Parkplätze am Bahnhof zu finden sind, was sie kosten und ob sie frei sind“, erklärt Siebert.

Daten am Markt zur Verfügung stellen

Konzernweit stehen die Daten über das DB API-Portal, den internen Marktplatz der Deutschen Bahn für Entwickler, zur Verfügung. Die Nutzung der Daten ist dank einer REST-API (Application Programming Interface = Anwendungsschnittstelle) sehr einfach möglich. Schon beim Konzept war es das Ziel des Teams, das Wiederverwenden der Daten in verschiedenen Applikationen, egal ob für Websites oder Apps, möglichst leicht zu machen. Agile Projektmethoden beschleunigten zudem den Entwicklungsprozess, sodass es schnell zu einem Ergebnis kam, von dem nicht nur das Team selbst profitierte. „Durch die Wiederverwendbarkeit schaffen wir keinen ‚Monolithen‘ für ein Projekt oder einen Kunden, sondern eine Lösung, die sich in viele Anwendungen einfach integrieren lässt“, erklärt Tamara Wagner, die als Business Consultant bei DB Systel die Strategie im Projekt lenkt.

Entsprechend schnell verbreiten sich die Daten in Applikationen. Die Parkraumdaten sind schon jetzt nicht nur auf der Website zu finden, sondern bereichern auch die Mobile-App „Bahnhof Live“ mit Parkrauminformationen am Bahnhof. „Der Kunde kann damit gut planen, und seine Ankunft wird komfortabler. Im Zuge der Digitalisierung kann es aber noch weitergehen, indem er schon vorab einen Parkplatz reserviert und bezahlt“, so Wagner. Die Integration in die App „Bahnhof Live“ ist dabei ein erster Schritt, es sind noch weitere Nutzungen der Daten über die REST-API zum Beispiel für Produkte wie Park and Rail in Vorbereitung.

Es wäre ein guter Service, wenn der Kunde über die App für die Zugfahrt inklusive Parken ein Ticket lösen könnte. So weit sind wir zwar noch nicht, aber gedanklich ist dieser Service schon in der Pipeline sowie in der technischen Prüfung.

Dieter Siebert, Leiter Marketing, BahnPark

Parking Information API in der aktuellen App „Bahnhof Live“

© DB Station & Service

Zukünftig soll der Service noch mit externen Datenquellen ergänzt werden und so auch die verfügbaren Parkplätze auf den Straßen in Bahnhofsnähe abdecken. „Den Kunden interessiert am Ende nur, ob er den einen Parkplatz, den er braucht, bekommt oder nicht. Das können wir schon für einen Anteil vorhersagen. Es sollte aber in Zukunft für alle Parkeinrichtungen möglich sein. Derzeit sind Bewegungsdaten aus Parkhäusern und in deren Umgebung noch schwer in ausreichender Qualität zu bekommen. Wir erheben selbst Daten und sind mit weiteren Anbietern und Datenanbietern in Europa im Gespräch“, erklärt Siebert.

Ein Ticket für alles

Langfristig können die Daten auch für externe Partner über die API auf Entwickler-Marktplätzen zur Verfügung stehen. Perspektivisch sind durch die Digitalisierung mit Parkdaten noch viele Anwendungsfälle denkbar – zum Beispiel könnten Apps den kürzesten Weg zum Parkplatz zeigen. Dank dem Baukastenprinzip der APIs können die Services auch mit weiteren nützlichen Daten kombiniert werden, zum Beispiel mit Wetterdaten. Ziel aller digitalen Services ist jedoch immer das Gleiche: die Reise des Kunden so nahtlos und komfortabel wie nur möglich zu gestalten. „Das Ziel ist, dem Kunden ein Ticket für die gesamte Reise anzubieten, inklusive grenzüberschreitendem Verkehr und inklusive öffentlicher oder alternativer Verkehrsmittel auf einer DB-App, ohne Medienbrüche“, erklärt Wagner. „Es wäre perfekt, wenn er neben seinem Parkticket gleich noch ÖPNV-Fahrkarten oder einen Mietwagen am Zielort buchen könnte. Das haben wir schon jetzt auf der Agenda. Es ist insgesamt ein großer Integrationsprozess“, blickt Siebert in die Zukunft.