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Mobile AR

Das Smartphone als Fenster zur erweiterten Realität

11/2018 – Bei einem Testprojekt von DB Systel zeigt die Smartphonekamera viel mehr als nur die Realität: Die AR-App „Companion“ soll das reale Sichtfeld um alle relevanten Informationen und Daten ergänzen – direkt am Objekt.

Ob am Bahnsteig, im Zug oder bei der Instandhaltung und Wartung – immer wieder tauchen Fragen auf: Fahrgäste möchten zum Beispiel wissen, wo es im Zug freie Plätze gibt, welches das richtige Zugabteil ist oder wo sich das Bordrestaurant befindet. Auch Mitarbeiter des Konzerns stehen ständig vor neuen Herausforderungen: So möchte ein Wartungstechniker vielleicht wissen, wann ein spezifisches Teil das letzte Mal repariert wurde. Manchmal werden Ratschläge eines Kollegen benötigt, technische Dokumentationen werden gesucht, oder es muss ein Handbuch zu Rate gezogen werden. Die meisten Informationen sind irgendwo verfügbar. Allerdings nicht direkt dort, wo sie gebraucht werden.

Das Team Immersive Technology der DB Systel beschäftigt sich schon längere Zeit damit, Informationen digital erlebbar zu machen. „Im Bereich Virtual Reality sind wir zum Beispiel mit EVE-Lernanwendungen bereits gut aufgestellt“, sagt Johannes Hillebrenner, Product Owner bei DB Systel. „Wir haben erkannt, dass der Themenbereich Immersive Technology auch darüber hinaus ein sehr großes Potenzial besitzt. Über den Skydeck Accelerator fördern wir mit Companion ein weiteres Team, um auch bei mobilen AR-Lösungen eine Expertise aufzubauen.“

Informieren auf neue Art

Das Team arbeitet in Kooperation mit der schwedischen Bahn im Skydeck Accelerator an einem Proof of Concept (PoC), der Anwendungsfälle für Fahrgäste und DB-Mitarbeiter auf Umsetzbarkeit prüfen soll. „Informationen aus Bestandssystemen lassen sich mit einer 3-D-Karte der Welt verbinden, die sich AR-Cloud nennt“, erklärt Arne Kupetz, ebenfalls Product Owner bei der DB Systel und gemeinsam mit Johannes Hillebrenner zuständig für das Projekt. In diese AR-Cloud fließen Datensätze aus ganz unterschiedlichen Quellen ein: Das können IoT-Daten aus Sensoren sein, aber auch Objektbeschreibungen oder Point of Interest. Die Cloud konsolidiert die Daten nach Bedarf und stellt sie für AR-Anwendungen zur Verfügung – und reichert so Objekte mit Infos in Echtzeit an. Alles, was ein Nutzer dann braucht, um diese zusätzlichen Informationen zu erhalten, ist ein Smartphone oder Tablet mit Kamera und Internetanbindung. „AR-Brillen sind noch sehr teuer, dafür hat fast jeder Mitarbeiter und Reisende ein Smartphone oder Tablet. Entsprechend hat sich das Team bei diesem Pilotprojekt auf mobile Lösungen konzentriert“, sagt Johannes Hillebrenner.

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Mit einer App wollen wir beispielsweise Endverbrauchern ohne langes Suchen relevante Reiseinformationen zur Verfügung stellen, wo sie gebraucht werden – beim Blick auf das leere Gleis.

Arne Kupetz, DB Systel

Idealerweise muss der Nutzer künftig nicht mehr nach der gewünschten Information suchen. Es genügt, wenn das mobile Endgerät auf das Objekt gerichtet wird. „Mit einer App wollen wir beispielsweise Endverbrauchern ohne langes Suchen relevante Reiseinformationen zur Verfügung stellen, wo sie gebraucht werden – beim Blick auf das leere Gleis“, sagt Arne Kupetz. Bisher müssen sie sich dafür umständlich durch verschiedene Seiten klicken, um alle benötigten Infos zu bekommen.

Ein Hologramm des Zuges und relevante Informationen werden direkt ins Kamerabild des Smartphones eingeblendet.

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Die App zeigt im Kamerabild des eigenen Handys alle Informationen am Bahnsteig. Möchte ein Fahrgast also wissen, in welchem Wagen sich das Bordrestaurant befindet, wie hoch die Auslastung ist oder wo sich die Türen genau befinden werden, braucht dieser sein Telefon künftig lediglich in Richtung des Gleises zu halten. Auf dem Display erscheint dann eine Darstellung des Zuges mit den wichtigsten Daten.

Mitarbeiter der Instandhaltung können direkt am Objekt Infos auslesen und virtuell Kommentare hinterlassen.

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Eine weitere Zielgruppe sind die Mitarbeiter in der Instandhaltung. „Mit einer App könnten die Mitarbeiter die von IoT-Sensoren gesammelten Daten direkt am Objekt in Echtzeit ansehen“, sagt Johannes Hillebrenner. Oder ein Techniker hält bei Wartungsarbeiten an einem Gleis sein Smartphone über eine Weiche. Auf dem Display kann dieser sehen, wann die letzte Reparatur stattfand. Mehr noch: Mitarbeiter können auch Notizen zu jedem Objekt hinterlassen, die für alle anderen Techniker abrufbar sind. DB-Mitarbeitern soll es also ermöglicht werden, Informationen zu Objekten intuitiv zu finden – ganz ohne Suche in Systemen, sondern unmittelbar am realen Objekt überlagert dargestellt. Dies kann das Finden von Informationen, Arbeitsprozesse und damit die Zusammenarbeit massiv erleichtern und beschleunigen.

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Mit einer App könnten die Mitarbeiter die von IoT-Sensoren gesammelten Daten direkt am Objekt in Echtzeit ansehen.

Johannes Hillebrenner, DB Systel

Doch ein Schritt nach dem anderen. „Wir bewegen uns in einem sehr innovativen Feld. Teilweise steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen“, sagt Arne Kupetz. Erst einmal gilt es, Kunden Möglichkeiten aufzuzeigen, für die Idee zu begeistern und gemeinsam neue mobile AR-Lösungen zu entwickeln.

Besuchen Sie den Skydeck Demo Day am 29.11.2018 in Frankfurt, um sich von den Fortschritten des Teams „Companion“ bei der Realisierung von mobilen Augmented-Reality-Lösungen zu überzeugen!