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Trendlicht: Integrationsplattformen für Services/APIs

Digitale Services nach Bedarf nutzen und anbieten

09/2018 – Bei der Integrationsplattform „Business Hub“ haben Entwickler seit Juli Zugriff auf interne und externe Services, mit denen neue Lösungen besser, schneller und günstiger erstellt werden. Somit entsteht eine Drehscheibe für die Entwicklung und Veröffentlichung von APIs im Konzern.

Ob Apps oder Web-Anwendungen: Häufig werden bei der Programmierung immer wieder ähnliche Funktionen benötigt. Um Ressourcen zu schonen, Freiräume zu schaffen und vor allem schneller Kundenprojekte verwirklichen zu können, wurde daher der Business Hub gestartet.

Julius Meinung, Projektleiter des Business Hubs, DB Systel
© DB Systel GmbH

Übersetzt man den Namen dieses neuen Leistungsangebots, bekommt man schon einmal ein Gefühl dafür, was sich dahinter verbirgt. Primär sollen damit neue digitale Geschäftsfelder erschlossen werden. Aber dass es nicht nur ums Business geht, verrät der Begriff Hub. Ein Hub ist ein Knotenpunkt. Oder anders: Er steht auch für Treffpunkt, Zentrum – oder Mittelpunkt. Der Name ist also gut gewählt: Der Business Hub verknüpft unterschiedliche bahninterne Services mit Services außerhalb des Bahnkonzerns.

Damit wurde die Grundlage dafür geschaffen, künftig schneller und effektiver für Kunden optimale (digitale) Services zu entwickeln. „Es ging uns bei der neuen Plattform primär darum, Arbeitsabläufe über bestehende Datenbestände und einheitliche Prozesse zu verbessern“, erklärt Julius Meinung, Projektleiter des Business Hubs bei DB Systel.

Die API-Plattform als digitaler Marktplatz

Der Business Hub ist eine logische Weiterentwicklung einer serviceorientierten Architektur (SOA), die bereits seit geraumer Zeit bei DB Systel Anwendung findet. SOA ermöglicht laut Wikipedia die Integration von Unternehmensanwendungen, indem die Komplexität einzelner Anwendungen hinter standardisierten Schnittstellen verborgen wird. Gerade die Wiederverwendbarkeit von Services sorgt für mehr Effizienz und Flexibilität. Allerdings wird bei SOA vor allem die interne Sicht bei Entwicklungen bedient. Mit dem Business Hub wird nun der Blick nach und von außen ermöglicht, um aus standardisierten APIs (die Kurzform der Übersetzung application programming interface) ganz neue Anwendungen zusammenzustellen und gemeinsam mit den Kunden neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. APIs können bereits verfügbare Funktionen oder Daten in andere Programme einbinden. Das sorgt für eine stärkere Vernetzung, sowohl intern als auch mit dem Partner, und erlaubt ganz neue digitale Lösungen.

Das Leistungsangebot beim Business Hub besteht daher aus zwei separaten Bausteinen: Die Service Factory (Service Development „Dev“ & Runtime Operations „Ops“), ein kombinierter Service aus einem Marktservice und einem internen Datenbestand, erlaubt die schnelle Entwicklung und den Betrieb neuer Services. Die Verwaltung, Kontrolle, aber auch die Veröffentlichung der APIs wird wiederum über die API-Plattform (Business Hub Connect) im Self-Service gesteuert.

Der Business Hub als Plattform: Entwicklung von Services, fachliche Beratung, technische Umsetzung, Betrieb und Verwaltung im Self-Service.

@ DB Systel GmbH

Schon mit dem Open-API-Portal developer.deutschebahn.com konnten Entwickler auf APIs zugreifen und für ihre Projekte nutzen. Und mit dem Datenportal data.deutschebahn.com ist es bereits möglich, konzerninterne Daten zu nutzen. Der Business Hub wird diese Aufgaben künftig verknüpfen und damit die Grundlage für alle digitalen Aktivitäten bilden. So wird zum Beispiel per API der Zugriff auf Daten wie „Alle Bahnhöfe in Deutschland“ oder auf Funktionen wie „Prüfung einer IBAN-Nummer auf ihre Gültigkeit“ gewährleistet. Viele Online-Dienste stellen solche Programmierschnittstellen zur Verfügung, wodurch Entwickler beispielsweise Informationen wie Wetterdaten oder Umrechnungskurse etablierter Dienstleister in ihre eigenen Services und Anwendungen einbinden können. „Früher haben wir solche Services oft selbst entwickelt, weil wir schließlich die passende Expertise dafür haben“, sagt Thomas Vollmer, Product Owner doServices im Business Hub.

Allerdings ist so ein Vorgehen nicht immer der wirtschaftlichste Ansatz. Daher prüft das Team des Business Hubs ständig, ob es Marktlösungen gibt, die integriert werden können. „Über die Marktbeobachtung sind wir auf das Thema API gekommen. Mit dem Business Hub haben wir die Integrationsfähigkeit hergestellt.“ Auf der neuen Plattform werden sukzessive weitere Services angeboten und über APIs bereitgestellt. Man kann sich die API-Plattform wie einen digitalen Marktplatz vorstellen, wo die Programmierschnittstellen in der Auslage liegen. Kunden und Entwickler sehen dort unter anderem, welche Funktionen die jeweilige API bietet oder welche Kosten bei der Nutzung anfallen. Mehr noch: Viele Funktionen der APIs können in einer Testkonsole ausprobiert werden. Bei Bedarf können die APIs dann in Systeme integriert werden.

Über die Marktbeobachtung sind wir auf das Thema API gekommen. Mit dem Business Hub haben wir die Integrationsfähigkeit hergestellt.

Thomas Vollmer, Product Owner doServices bei DB Systel

Falls erforderliche Leistungen nicht auf dem Markt beziehbar sind, werden sie aus dem Konzern integriert oder selbst entwickelt und dann so optimiert, dass sie später möglichst bei anderen Entwicklungen erneut genutzt werden können. „Ein Buchungssystem allein ist relativ unspektakulär. Wenn wir die Fahrplandaten aber mit Daten von Hotels, WLAN-Angeboten und einem externen Wetterinformationssystem zusammenbringen, schaffen wir für unseren Kunden einen Mehrwert“, sagt Julius Meinung.

Das API-Portal des Business Hubs erlaubt den Zugriff auf interne und externe digitale Services. Die ausführliche Beschreibung zeigt Nutzern den Inhalt einer API sowie die Bedingungen und Konditionen für deren Einsatz.

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Um dies zu gewährleisten, ist es beim Business Hub auch ein wichtiger Faktor, Kompetenzen und Entwicklungen wiederzuverwenden, zum Beispiel bei Payment-Möglichkeiten, also wenn es um die Verrechnung von Leistungen gegenüber Endkunden geht. Ein ganz anderes Beispiel ist die Entwicklung der Mobilitäts-Budget-App, mit der ein Mitarbeiter vergünstigt festgelegte Beträge für individuelle Fahrten mit Fahrzeugen von Sharing-Anbietern oder im öffentlichen Verkehr einsetzen kann.

Mehr Effizienz bei der Entwicklung

Damit läutet der Business Hub auf technischer Seite einen Wandel ein: Statt einer Auftragsfertigung, wie es früher üblich war, soll der Kunde künftig eine auf ihn zugeschnittene Serviceintegration durch standardisierte und wiederverwendbare Bausteine erhalten. Dafür soll der Business Hub künftig drei Möglichkeiten bieten: Es gibt bereits einen passenden externen Service, der über den Business Hub zur Verfügung gestellt wird, es gibt einen internen Service, oder es muss ein individueller Service entwickelt und programmiert werden. Bei allen drei Varianten ist es grundsätzlich das Ziel, wiederverwendbare Services zu kreieren, da dadurch künftig von vornherein Kosten und Entwicklungszeit gespart werden können.

Die Business Hub-Plattform (Mitte) ermöglicht Entwicklungen in zwei Richtungen: Der Kunde (ganz links) ist Business Owner und möchte eine neue Lösung aus vorhandenen Bausteinen nutzen. Anderseits können sowohl externe als auch interne API Owner (ganz rechts) ihre Daten und Services über die Plattform anderen Nutzern anbieten und monetarisieren.

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Wenn ein Kunde eine Applikation entwickelt haben möchte, ist DB Systel dank des Business Hubs nun viel schneller. Gibt es für Teilfunktionen schon einen entsprechenden Service, kann dieser einfach integriert werden. „Das ist die globale Story dahinter: Wir gehen weg vom Provider, der selbst schraubt und im Rechenzentrum alles selbst macht, hin zum Integrator von Leistungen“, fasst es Thomas Vollmer zusammen. Doch nicht nur für DB Systel ist der Business Hub von Vorteil. Die Ideen der Endkunden lassen sich schneller und einfacher validieren und ausprobieren. Dadurch werden Kundenanforderungen schneller erfüllt. Und nicht zuletzt werden Services über interne und externe Kombinationen schneller verfügbar gemacht.

Die Chancen der Digitalisierung nutzen

Insgesamt geht es darum, das Geschäft des Kunden zu verstehen, um Chancen der Digitalisierung für den Geschäftserfolg optimal nutzbar zu machen. Wir beraten den Kunden nicht nur technisch, also wie er einen Service integrieren kann, den wir entwickelt haben. Wir sprechen mit dem Kunden, wie er sein Geschäft wachsen lassen kann, indem er gewisse Services nutzen kann“, sagt Julius Meinung. Offizieller Startschuss für die neue Plattform ist im Herbst 2018, die ersten Entwicklungen werden dann schon sichtbar und nutzbar sein. Und dann wird sich auch zeigen, ob der Business Hub nicht nur ein Marktplatz digitaler Ideen ist, sondern vielmehr ein interaktives Beispiel für eine neue Art der Zusammenarbeit.