© DB AG (Oliver Lang)

Assistenzsystem FASSI-MOVE

Digitaler Wellenbrecher gegen die Informationsflut

11/2020 – Bis Ende 2020 werden alle Fahrpersonale bei DB Regio mit dem neuen Assistenzsystem FASSI-MOVE ausgestattet. Für Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer ist dies ein Quantensprung: Zukünftig erhalten sie alle relevanten Informationen digital – und endlich nur jene, die für sie persönlich wirklich von Belang sind.

Bis Ende des Jahres ersetzt die DB Regio ihr altes System zur Dokumentenverteilung durch das von DB Systel entwickelte FASSI-MOVE. Das digitale Assistenzsystem wird zukünftig effizienter und individueller die rund 18.000 Triebfahrzeugführer (Tf) und Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) der DB Regio mit den für ihre Arbeit relevanten Informationen versorgen. Das ist nicht nur ein digitaler Kraftakt, sondern auch der Auftakt zu einem echten Systemwechsel: FASSI-MOVE wurde von der DB Systel in enger Zusammenarbeit mit DB Regio für die speziellen Erfordernisse im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) modifiziert. Das verspricht, dem Informationsfluss des wichtigsten Anbieters im deutschen SPNV eine vollkommen neue Richtung zu geben.

Die Messlatte für FASSI-MOVE liegt hoch: 18.000 neue Tablets mit FASSI-MOVE wurden an die Mitarbeiter ausgegeben, um die Tf und KiN noch besser bei ihrer Arbeit im Zug zu unterstützen. Mit dem neuen mobilen Assistenzsystem verbindet man auch große Hoffnungen für die Zukunft: „Wir wollen mit FASSI-MOVE die digitale Plattform für Fahrpersonale liefern“, sagt Fabian Meier, PO des koordinierenden Entwicklungsteams für FASSI-MOVE bei DB Systel.

In FASSI-MOVE werden Zugbegleitern, Triebfahrzeugführern und anderen Berufsgruppen der DB ohne viel Aufwand tagaktuelle Dokumente über ein mobiles Endgerät bereitgestellt. Das innovative Tagging System sorgt dafür, dass Nutzern nur die Dateien auf ihrem Tablet erhalten, die wirklich für sie relevant sind

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Ein überzeugender Auftritt

Der Abschied vom bisherigen System fiel leicht: „Das Vorgängersystem war zwar etabliert und hat auch funktioniert“, weiß Jens Naumann, Leiter Betriebs- und Serviceexzellenz bei DB Regio. Doch zum einen sei der Rahmenvertrag ausgelaufen, und zum anderen hätten laut Naumann „die Funktionalität und Möglichkeiten von FASSI-MOVE einfach überzeugt“.

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„Mit FASSI-MOVE bekommen die Mitarbeiter endlich nur noch die Informationen, die für sie wirklich relevant sind.

Jens Naumann, Leiter Betriebs- und Serviceexzellenz, DB Regio AG

Grund für den Wechsel war vor allem die kompetenzbasierte Dokumentenbereitstellung von FASSI-MOVE. Bisher erhielten die Fahrpersonale oft ungefiltert alle Informationen, die von der DB Regio bereitgestellt wurden. Die Folge war häufig eine ziemliche Informationsüberflutung. „Die Mitarbeiter bekamen ihre Postfächer vollgepackt mit Informationen zu Fahrzeugen und Strecken, die sie gar nicht betrafen“, erklärt Jens Naumann. „Mit FASSI-MOVE erhalten sie endlich nur noch die Informationen, die für sie wirklich relevant sind.“

Darstellung des Moduls Dokumentenverwaltung in der Desktopvariante

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„Die Rückmeldungen sind schon jetzt sehr gut“, weiß Jens Naumann zu berichten. Die Kollegen, die bislang noch mit Papieren arbeiten mussten, seien begeistert, und Mitarbeiter, die zuvor das alte System nutzten, würden in FASSI-MOVE einen deutlichen Schritt nach vorn sehen. Die oft als Last empfundene Informationsflut sei eingedämmt, so Naumann. „Es gibt Mitarbeiter, die sagten: „Ich dachte erst, es fehlt die Hälfte, bis ich merkte, es fehlen nur die Unterlagen, die ich sowieso nie brauchte.“

Weniger Klicks, weniger Ablenkung

Diese positive Resonanz kommt nicht von ungefähr. Dahinter steckt zum einen eine ausführliche Einweisung sämtlicher Fahrpersonale in FASSI-MOVE und zum anderen die Vorarbeit der Redakteure und Gruppenleiter. Sie wurden auf die Arbeit mit FASSI-MOVE in Schulungen vorbereitet, die gemeinsam von DB Regio und DB Systel entwickelt wurden.

Mit der Einführung von FASSI-MOVE wurden die bisherigen regionalen Unterschiede aufgelöst. Mit den nun über alle Regionen harmonisierten Stammdaten der Nutzer können die Redakteure jedem Anwender individuell die benötigten Dokumente und Informationen zuweisen.

Kombinierte Darstellung von für die Fahrt relevanten Energiesparempfehlungen, Dokumenten und Tages-LA-Einträgen

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Was FASSI-MOVE zudem auszeichnet, ist die nutzerorientierte Bedienungsoberfläche. Tf können auf den Tablets mittels eines Dashboards je nach Bedarf auf einen Blick unterschiedliche Informationen wie Energiesparhinweise, tagesaktuelle Langsamfahrstellen und ergänzende Informationen zum Fahrplan für die aktuelle Fahrt sehen. „Für mich ist das der große Vorteil von FASSI-MOVE“, sagt Jens Naumann. „Mit wenigen Klicks und Wischs vorgehen zu können, statt Anwendungen aufwendig öffnen und schließen zu müssen, gewährleistet eine sicherere Nutzung. FASSI-MOVE reduziert eine mögliche Ablenkung auf ein Minimum“, so Naumann.

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„Zurzeit arbeiten wir daran, auch den Buchfahrplan in digitaler Form auf FASSI-MOVE zu heben.

Fabian Meier, Product Owner FASSI-MOVE, DB Systel GmbH

Was ebenfalls eine gewichtige Rolle spielt: FASSI-MOVE ist zukunftsfähig. Denn die Digitalisierung der Berufsbilder Tf und KiN geht weiter. FASSI-MOVE ist die Plattform für den Ausbau der Fahrassistenzsysteme. „Zurzeit arbeiten wir daran, die Inhalte des Buchfahrplans in digitaler Form auf FASSI-MOVE zu heben, und wir reden über weitere Möglichkeiten der Energiesparanzeige“, sagt Fabian Meier.

Möglichst alleinige Informationsquelle

Der Transfer des heute auf fest verbauten Bordgeräten laufenden EBuLa (Elektronischer Buchfahrplan und Langsamfahrstellen) in Richtung FASSI-MOVE ist für Jens Naumann der erste Schritt in die Richtung, die alte Fahrzeuggebundenheit von Führerraumanzeigen aufzuheben. „Dies war in der Vergangenheit immer aufwendig und teuer. Unser Ziel ist ganz klar, dass wir diese Anzeigen fahrzeugunabhängig machen. Statt wie bisher viel in die Fahrzeugausstattung zu investieren, wollen wir über die Integration neuer Module und Funktionalitäten in FASSI-MOVE dieses System möglichst zur alleinigen Informationsquelle des Tf werden lassen“, sagt Jens Naumann.

Mehr Unterstützung bei der alltäglichen Arbeit, mehr Funktionalitäten und Arbeitsmittel, um effizienter zu werden – das alles will FASSI-MOVE liefern. Und das soll es auch attraktiv für andere DB-Konzerngesellschaften machen. Die Mission, die DB Systel und DB Regio verfolgen, ist bahnübergreifend relevant. „Mit einer Vielzahl an Entwicklungsteams werden wir stetig weitere Module entwickeln“, sagt Meier. „Obwohl wir schon viel erreicht haben, stehen wir immer noch am Anfang der Digitalisierung.“