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SmartBooking & Co.

Ein Schalter für mehr Qualität

02/2019 – Ob Räume buchen, Personen zählen, Warenbestand überwachen oder Temperatur messen: Mit innovativen Sensorlösungen werden Arbeitsprozesse bei der Deutschen Bahn künftig noch einfacher, effizienter und kostengünstiger.

Die rasante digitale Entwicklung spielt ihnen dabei in die Karten: Durch den Einsatz neuer Technologien sind Sensoren heute vielfach komplett drahtlos und damit sehr kostengünstig zu installieren. Anstelle einer umständlichen Verkabelung der Sensoren werden kleine Standardbatterien genutzt, die in der Regel mehrere Jahre halten. Der speziell für das Internet der Dinge entwickelte Funkstandard LoRaWAN ermöglicht eine einfache, effiziente und hoch skalierbare Datenanbindung für viele Anwendungsfälle.

LoRaWAN

Das Funknetzwerk LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) verbraucht nur sehr wenig Energie und funktioniert über große Reichweiten hinweg und hat zudem eine optimale Gebäudedurchdringung selbst durch Betondecken hindurch: In Städten kann die Distanz zwischen Sender (Sensor) und Empfänger (Gateway) bis zu fünf Kilometer betragen, in ländlichen Gegenden werden bis zu 40 Kilometer erreicht. Durch den geringen Energieverbrauch können batteriebetriebene Sensoren, abhängig von der zu übertragenden Datenmenge, eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren schaffen.

Vom Meetingraum in die Werkhalle

Im Frankfurter Silberturm und am Standort Berlin Marktstraße wird die Technologie genutzt, um an Arbeitsplätzen DB Buttons zu installieren, mit denen sich Mitarbeiter per Knopfdruck ein- und auschecken können. Im ersten Quartal 2019 wird die SmartBooking-Lösung auf mehr als 1.500 Arbeitsplätze und weit über 200 Räume erweitert. Die S-Bahn Hamburg ist von dem Konzept überzeugt und wird schon in Kürze 60 Arbeitsplätze mit SmartBooking ausstatten.

DB Button–Belegung eines Arbeitsplatzes per Knopfdruck im Silberturm Frankfurt
© DB Systel GmbH

Mit Personenzählern, die für DB Immobilien in verschiedenen Bürogebäuden der DB installiert wurden, lässt sich wiederum für eine spätere Auswertung genau feststellen, wie viele Personen sich in einem Gebäude aufhalten. Die belastbaren Auslastungsdaten sind beispielsweise für die Planung von Neubauten von großem Nutzen. Die gleiche Technologie wird auch für DB Vertrieb in Reisezentren eingesetzt, um kontinuierlich die Besucherzahl zu messen.

SmartCounting – Personenzähler in einem DB Reisezentrum
© DB Systel GmbH

Mit den DB Buttons, die in Bürogebäuden zum Ein- und Auschecken am Arbeitsplatz genutzt werden, beauftragen Mitarbeiter in den ICE Instandhaltungswerken München und Frankfurt Griesheim auch ihre Materialdisposition zum Auffüllen von dezentralen Materiallagern. Gemeinsam mit dem Instandhaltungswerk Frankfurt Griesheim entwickelt das sQubic-Team aktuell eine Lösung, um die Verfügbarkeit von unterschiedlichen Materialien (wie Bremsklötzen, Schleifleisten, Filtermatten und mehr) via Sensorik automatisiert ermitteln zu können. Verzögerungen bei der Instandhaltungsabwicklung, bedingt durch fehlende Materialien, sollen damit der Vergangenheit angehören.

Batterietest für eine längere Lebensdauer

Auch bei DB Energie sollen Sensoren und LoRaWAN künftig dafür sorgen, das Qualitätsversprechen der Deutschen Bahn einzuhalten: Im eigenen 8.000 Kilometer langen Bahnstromnetz wird der Strom in einer anderen Frequenz als üblich übertragen. Für die Oberleitung muss der Bahnstrom im Unterwerk von 110 kV auf 15 kV heruntergespannt werden. Damit die Steuerung im Unterwerk auch bei einem Stromausfall funktioniert, wurden für die Ersatzversorgung große Notfall-Batterieeinheiten installiert. Diese müssen regelmäßig vor Ort kontrolliert, gewartet oder sogar ausgetauscht werden.

Batterien im Unterwerk werden mittels Sensorik überwacht. Die Datenübertragung erfolgt per LoRaWAN über die DB IoT Cloud.
© DB Energie GmbH

In einem gemeinsamen Proof of Concept von DB Energie und DB Systel werden ab Januar 2019 im Unterwerk Karls­ruhe bei den Batterien Temperatur und Füllstand per Sen­sor überwacht und die entsprechenden Daten per LoRaWAN über die DB IoT Cloud im DB Datennetz verfüg­bar gemacht. Für den Test wird am Standort Karls­ruhe ein LoRa-Gateway aufgebaut. Die ermittelten Werte geben Aus­kunft über den Zustand der Batterie. „Wir können bei der Instandhaltung nicht nur die Kosten für neue Batteri­en sparen, sondern auch Zeit, da bisher Mitar­beiter durch die Gegend fahren müssen, um die Batteri­en zu überprü­fen“, sagt Ingo von Ammon, Projekt­manager bei DB Energie. Ganz bewusst wird in der ersten Phase kein fertiges Produkt installiert, welches ausroll­fähig ist. „Es ist nicht zwingend notwendig, dass die verwendete Sensorik die ist, die wir später bundesweit einsetzen“, erklärt Martin Kemper von DB Systel. Denn möglicher­weise zeigt sich im Test, dass der Markt attraktivere Lösungen bietet.

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Wenn wir fürs Ablesen von Werten jedes Mal einen Kollegen hinschicken müssen, hat das nichts mit Digitalisierung 4.0 zu tun.

Ingo von Ammon, Projektmanager bei DB Energie

Und das ist erst der Beginn der Zusammenarbeit mit DB Systel. So sind an vielen Bahnhöfen Stromzähler verbaut, die zum Ablesen nur sehr schwer zu erreichen sind. Mit den Daten der Stromzähler wird die gemessene Energiemenge abgerechnet. „Wenn wir fürs Ablesen von Werten jedes Mal einen Kollegen hinschicken müssen, hat das nichts mit Digitalisierung 4.0 zu tun“, sagt Ingo von Ammon. „Wir haben viele Ideen und schauen jetzt, wie diese zusammengefügt werden können. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn wir in diesem Bereich als Einzelkämpfer agieren. Ich freue mich, dass wir nicht bei null anfangen müssen, sondern von der bei DB Systel erfolgten Arbeit profitieren können.“ Ganz im Sinne des Konzerngedankens: Zusammen ist man stärker. So sorgen selbst kleinste Sensoren für etwas ganz Großes.