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Mobile Business-Plattform MOVE

Eine Anwendung für alle Fälle

04/2018 – Frischer Wind in der App-Landschaft der Deutschen Bahn: MOVE bündelt in einem modularen Konzept in einer einzigen Anwendung verschiedene Funktionen – und das für jeden Kunden ganz individuell.

Die Digitalisierung innerhalb des Bahn-Konzerns nimmt immer weiter zu. Besonders Prozesse, die traditionell viel mit Papier realisiert werden, können inzwischen vielerorts durch Apps abgebildet werden. Bisher wurde jeder Anwendungsfall und Geschäftsvorfall einzeln betrachtet – und eine entsprechende Anwendung entwickelt. Jede für sich funktioniert gut und deckt den jeweiligen Geschäftsbedarf hervorragend ab. Aber Nutzer, die nicht nur mit diesem einen Geschäftsvorgang betraut sind, überfordert die Vielzahl der unterschiedlichen Anwendungen. Noch gravierender ist allerdings, dass die bisherigen Anwendungen nicht untereinander kommunizieren und Daten austauschen können, da sie in heterogenen Architekturen entwickelt wurden. Ein Nutzer muss also wissen, wann er welche Anwendung aufruft – und was er damit machen kann. Und für den bahninternen Auftraggeber führt das zu hohen Komplexitäten und Kosten bei Entwicklung, Test und Betrieb der mobilen Anwendungen.

Mit der neuen App-Plattform MOVE, die im Juli 2017 mit einem Pilotprojekt gestartet ist, gehört dieses Verfahren bald der Vergangenheit an. MOVE stellt mobile Lösungen endgeräte- und plattformunabhängig mit einer einheitlichen, UX-optimierten Benutzeroberfläche zur Verfügung. MOVE bietet verschiedene Funktionalitäten, zum Beispiel das Dokumentenmodul, mit dem Dokumente zielgerecht an verschiedene Nutzer verteilt werden. Weitere optionale Module für Nutzerverwaltung sowie künftig für Reporting und Kommunikation können darüber hinaus komplette anwendungsspezifische Workflows abbilden. Diese unterschiedlichen Anwendungen kommunizieren auch miteinander und können so zum Beispiel untereinander Daten austauschen. Mehr noch: Es wurde auch optisch ein Standard geschaffen, der ein einheitliches Look-and-Feel für den Nutzer bietet. Dank MOVE lassen sich einzelne Module für den jeweiligen Nutzen zusammenschalten.

Neue Funktionen, neue Wege

Bei der App-Plattform mit einzelnen Modulen geht DB Systel schon von Anfang an neue Wege. „Wir sind mit einer Nutzerbefragung gestartet, da wir wissen wollten, was den Anwendern an einer mobilen Anwendung wichtig ist“, sagt Guido Kissner von DB Systel. Die jeweiligen Funktionen werden in agiler Vorgehensweise entwickelt, die regelmäßigen Ergebnisse werden stetig von den Pilotkunden erprobt. Und schon bevor eine Zeile Code programmiert wird, werden neue Funktionen erst einmal mit einem Prototypen vorgestellt. So werden Auftraggeber bei der Entwicklung für MOVE von Anfang sehr eng eingebunden.

 

Ein Produkt wie MOVE ist für uns der erste Schritt zur Digitalisierung des Fahrer-Arbeitsplatzes.

Peter Jencke DB Regio Bus Nord

Einer der Pilotkunden ist DB Regio Bus Nord. In einem Testbetrieb in Meldorf (Schleswig-Holstein) wird an einem Standort der Autokraft GmbH mit 40 Busfahrern MOVE im Livebetrieb erprobt. In der Region gibt es viele Betriebsstellen, bei denen die Einsatzgebiete sehr weit vom Sitz der Niederlassung entfernt sind. „Ein Produkt wie MOVE ist für uns der erste Schritt zur Digitalisierung des Fahrer-Arbeitsplatzes“, sagt Peter Jencke von DB Regio Bus Nord. „Uns hat überzeugt, dass es jetzt eine einfache Lösung gibt, mit der Fahrer unkompliziert auf Informationen zugreifen und zum Beispiel sehr schnell von Leitstellen mit detaillierten Aktualisierungen versorgt werden können.“ Das können Informationen zu Umleitungen oder Störungen sein, aber auch neue Einsatzpläne. Bislang gibt es für Informationen dieser Art an den Standorten das Schwarze Brett. Im Testbetrieb werden diese Infos per MOVE direkt auf die Tablets der Fahrer gespielt. Es ist dann nicht mehr erforderlich, dass Fahrer ihre Dienstkarten und Umleitungspläne an zentraler Stelle abholen oder einsehen müssen.

Bislang mussten sich die Fahrer der Autokraft GmbH am Schwarzen Brett über aktuelle Informationen zu Umleitungen und Störungen sowie neue Einsatzplätze informieren.

© Autokraft GmbH

Aber es geht nicht nur um aktuelle Meldungen: Derzeit werden den Fahrern etwa 300 Dokumente zur Verfügung gestellt – darunter auch Tarifinformationen oder Informationen zu technischen Komponenten. Und bei Dienstplanänderungen können sie sich bequem zu Hause anschauen, welche Tour sie fahren müssen. „Für die Mitarbeiter ist es jetzt viel einfacher, flexibler, weniger zeitaufwendig und damit angenehmer – und genau das war uns wichtig“, sagt Michael Kierek, Betriebsmanager der Autokraft. Offenbar ein Erfolg, wie die ersten positiven Rückmeldungen der Fahrer belegen.

Modular und effektiv

Auch unter der Haube wurde die Bedienung von MOVE einfach gestaltet: Administratoren legen neue Anwender an und weisen ihnen Rollen zu. Für die Funktion der Dokumentenverwaltung werden alle bereitgestellten Informationen ebenfalls mit den entsprechenden Rollen versehen. „Der Weg, den DB Systel mit MOVE geht, ist sehr gut und sinnvoll“, freut sich Peter Jencke – auch wenn nach einem erfolgreichen Pilotbetrieb und einer Entscheidung für eine flächendeckende Umsetzung erst einmal viel Arbeit vor dem Team von DB Regio Bus Nord liegen würde. Denn der Schritt von 40 Testfahrern zu 1.500 Fahrern im Verkehrsgebiet der Region ist groß – entsprechend groß ist die Herausforderung für Datenmanagement und Device-Management. Dafür muss auch intern eine neue Organisation der Arbeit umgesetzt werden. „Aber das ist ein weiterer und richtiger Schritt, um den Arbeitsplatz des Busfahrers attraktiver zu machen“, sagt Guido Kissner. „Wir wachsen hier zusammen mit dem Kunden. Wir ermöglichen einen einfachen Start in die Digitalisierung.“

Das Ziel ist für alle Beteiligten klar: Es geht darum, die Eintrittsbarrieren niedrig zu halten. Dazu gehört auch, MOVE für alle Geschäftsbereiche im Serviceportal von DB Systel bestellbar zu machen. Durch die Digitalisierung will der gesamte Konzern besser, effizienter und qualitativ hochwertiger werden. MOVE und alle damit verbundenen Servicedienstleistungen sind ein erster Schritt.